Schützt uns die Neutralität?

So will sich Österreich bei Angriff verteidigen

Immer wieder flammt um den Nationalfeiertag am 26. Oktober eine Debatte über unsere Neutralität auf. Jetzt liegen Zahlen vor, wie Österreich denkt.
23.10.2026, 05:30
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Am 26. Oktober 1955 wurde in Österreich das Bundesverfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität beschlossen. Seitdem wird an diesem Tag der Nationalfeiertag begangen. So auch heuer, wenn am Wiener Heldenplatz wieder Hunderte Rekruten zum Wehrdienst angelobt werden und das Bundesheer seine traditionelle Leistungsschau abhält.

Wie zeitgemäß ist die Neutralität noch als Verteidigungsmodell?

Aber wie sehen die Österreicher die Neutralität unseres Landes? Ist sie noch immer das bevorzugte Verteidigungsmodell im Fall eines Angriffs oder setzt die Bevölkerung auf andere Varianten? Das hat das Institut "Public Opinion Strategies" von Meinungsforscher Peter Hajek für ATV abgefragt (500 wahlberechtigte Österreicherinnen und Österreicher online von 19. bis 22. Oktober, maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent).

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Das sind die Ergebnisse:

42 Prozent der Befragten verlassen sich auf die Neutralität und unser Bundesheer. 22 Prozent würden ihre Sicherheit im Fall eines Angriffs lieber in die Hände der NATO legen. Weitere 17 Prozent würden einer künftigen EU-Armee vertrauen.

FPÖ-Wähler sind die größten Neutralitäts-Fans

Am größten ist die Zustimmung zur Neutralität bei Wählern der FPÖ, die das Thema ja immer wieder aufs Tapet bringt und an ihr festhalten will. Immerhin 60 Prozent von ihnen halten die Neutralität für das beste Verteidigungsmittel. Weit weniger Zustimmung erntet die NATO mit 15 Prozent und eine EU-Armee (neun Prozent).

Grüne sehen Neutralität am kritischsten

Genau anders herum sieht es bei den Anhängern der kleineren Oppositionspartei, also der Grünen, aus. Gleich 41 Prozent halten die NATO für die beste Option, um sich im Fall eines Angriffs auf Österreich zu verteidigen. 42 Prozent sind für eine EU-Armee. Die Neutralität hingegen ist nur für zwölf Prozent das bevorzugte Mittel ihrer Wahl.

Bei ÖVP- und SPÖ-Wählern findet jeweils die Neutralität eine relative Mehrheit, größer ausgeprägt ist die bei der Volkspartei mit 49 Prozent. Dafür sind um neun Prozentpunkte mehr SPÖ-Sympathisanten für die NATO als bei der ÖVP.

Ein Minderheitenmodell ist die Neutralität dagegen bei den Wählern der Neos. Sie sprechen sich nur zu 23 Prozent für diese Variante aus. Die NATO und eine EU-Armee halten sich mit 32 bzw. 31 Prozent die Waage.

Experte: "Neutralität ist Liebkind der Österreicher, aber …"

Was sagt Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek zu den Ergebnissen? "Die Neutralität ist zwar das Liebkind der Österreicherinnen und Österreicher, das Vertrauen in die Verteidigungsfähigkeit ist aber mittlerweile angeschlagen", analysiert er für ATV.

Konservative Wähler für die Neutralität

"Nur 42 Prozent trauen das dem Österreichischen Bundesheer zu. 39 Prozent sähen sich hingegen im Fall eines militärischen Angriffs lieber von NATO oder einer zukünftigen EU-Armee verteidigt. Konservative Wählergruppen halten an der Neutralität fest, während progressive Bevölkerungsteile eher einem internationalen Bündnis das Vertrauen aussprechen", so Hajek.

pol, 23.10.2026, 05:30