Rasche Aufnahme der Westbalkan-Staaten in die EU – und schon im Vorfeld günstiger telefonieren, und weniger Hürden beim Geldüberweisen: Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) machte am Donnerstag beim Berlin-Prozess-Gipfel in Montenegro Druck. Etwa beim Telefonieren sieht er dringenden Handlungsbedarf. Die sechs Westbalkan-Staaten sollen endlich in die europäische Roamingzone aufgenommen werden.
Davon würden auch zahlreiche Menschen in Österreich profitieren. Mehr als 500.000 Menschen hierzulande haben Wurzeln oder Familie am Westbalkan. Ihre Kommunikation müsse leichter und günstiger werden.
Stocker findet klare Worte: "Es ist nicht erklärbar, warum die sechs Staaten des Westbalkans schlechter gestellt sein sollen als die Ukraine oder Moldau."
Auch beim Geld will der Kanzler Erleichterungen. Alle sechs Westbalkan-Staaten sollen so rasch wie möglich dem einheitlichen europäischen Zahlungsraum SEPA angehören. Das soll grenzüberschreitende Überweisungen einfacher machen.
Gleichzeitig kündigt Stocker an, dass Österreich 2027 den Vorsitz im sogenannten Berlin-Prozess übernimmt. Dabei arbeiten europäische Staaten daran, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien näher an die EU heranzuführen.
Österreich will dabei vor allem junge Menschen über Grenzen hinweg zusammenbringen, alte Konflikte überwinden und die Zusammenarbeit zwischen den Balkan-Staaten stärken.
"Die nächste Generation braucht eine klare europäische Perspektive", betont Stocker.
Besonders viel Hoffnung setzt der Kanzler auf Montenegro. Das Land könnte als erstes seit Kroatien 2013 den Sprung in die EU schaffen. Montenegro will der EU 2028 als 28. Mitgleidsland beitreten.
"Erstmals seit 2013 steht ein neues EU-Mitglied in Reichweite. Österreich unterstützt Montenegro voll auf den letzten Metern", erklärt Stocker. Ein baldiger Beitritt sei "mehr als verdient".
Gleichzeitig warnt er davor, dass Streitigkeiten zwischen einzelnen Staaten den EU-Beitritt blockieren.
Für Stocker ist klar: Die Menschen am Westbalkan sollen die Vorteile der EU nicht erst nach einem Beitritt spüren. Günstigeres Telefonieren und einfachere Überweisungen wären dafür zwei ganz konkrete Schritte.