Europa droht bei wichtigen Rohstoffen eine gefährliche Abhängigkeit von China. Bei der Verarbeitung von Rohstoffen wie Graphit, Gallium und Seltenen Erden kontrolliert die Volksrepublik mehr als 90 Prozent des Weltmarktes.
Diese Rohstoffe werden für Batterien, Elektromotoren und viele moderne Technologien benötigt. Für Europas Industrie ist das ein enormes Risiko.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) will jetzt gegensteuern. Am Donnerstag traf er in Dublin Kanadas Handelsminister Maninder Sidhu. Sein Ziel: Europa soll sich bei wichtigen Rohstoffen breiter aufstellen und nicht länger so stark von China abhängig sein.
„Wir haben bei russischem Gas erlebt, wie teuer uns einseitige Abhängigkeiten kommen können.“Wolfgang Hattmannsdorfer Wirtschaftsminister (ÖVP)
Hattmannsdorfer zieht dabei einen brisanten Vergleich zur Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
"Wir haben bei russischem Gas erlebt, wie teuer uns einseitige Abhängigkeiten kommen können. Diesen Fehler dürfen wir bei kritischen Rohstoffen nicht wiederholen", warnt der Minister.
Kanada könnte dabei zum entscheidenden Partner werden. Das Land verfügt über Vorkommen von 22 der 34 als kritisch eingestuften Rohstoffe. Für Europas Industrie eröffnet das die Chance auf zusätzliche Lieferquellen abseits Chinas.
Zwar gibt es bereits seit 2021 eine Rohstoffpartnerschaft zwischen der EU und Kanada. Doch Hattmannsdorfer reicht das nicht mehr. Er fordert, dass die EU und Kanada gemeinsame Investitionen in den Abbau, die Verarbeitung und das Recycling kritischer Rohstoffe vorantreiben. Außerdem sollten langfristige Lieferverträge zwischen Unternehmen gefördert werden.
"Die Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen allein sichert unserer Industrie noch keine Rohstofflieferungen", stellt er klar.
Beim kommenden EU-Kanada-Gipfel in Montréal soll deshalb ein konkreter Fahrplan auf den Tisch. Handelshemmnisse sollen fallen, Unternehmen enger zusammenarbeiten und neue Lieferketten entstehen.
"Wir müssen von Ankündigungen zur Umsetzung kommen: mit gemeinsamen Investitionen in Abbau, Verarbeitung und Recycling sowie langfristigen Liefervereinbarungen", erklärt Hattmannsdorfer.
Es stehe viel auf dem Spiel: "Es geht um sichere Lieferketten, starke Betriebe und Arbeitsplätze in Europa."