Milch zu sauber

Emmentaler verliert die Löcher – Schweizer haben Lösung

Technischer Fortschritt veränderte die Milchproduktion – und ließ die typischen Löcher im Emmentaler verschwinden. Nun sind sie zurück.
Heute Life
09.04.2026, 15:22
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Der Emmentaler gilt als Inbegriff schweizerischer Käsekultur – und das nicht zuletzt wegen seiner charakteristischen Löcher. Doch genau diese standen zuletzt auf dem Spiel. Nicht etwa durch Produktionsfehler, sondern durch einen unerwarteten Nebeneffekt technologischer Perfektion.

Bereits über Jahre hinweg klagten Käserinnen und Käser über ein paradoxes Problem: Der Käse wurde "zu gut". Genauer gesagt: die Milch. Moderne Melksysteme liefern heute nahezu keimfreie Rohmilch – hygienisch ein Fortschritt, traditionell jedoch ein Rückschritt.

Denn die berühmten Löcher entstehen nicht zufällig. Sie bilden sich während der Reifung an winzigen Partikeln, die als Ausgangspunkte für Gasblasen dienen. Früher gelangten solche Mikropartikel – etwa Heustaub – ganz selbstverständlich beim Melken in die Milch. In der heutigen, automatisierten Produktion fehlen sie. Das Ergebnis: Emmentaler ohne oder mit zu wenigen Löchern – ein klarer Makel im streng regulierten Qualitätsbild.

Die Rückkehr des "Fehlers"

Die Lösung wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückschritt: ein Lochansatzpulver aus gemahlenen Bioheublumen. In minimalen Mengen zugesetzt, bringt es genau jene Mikrostruktur zurück, die für die Lochbildung notwendig ist.

„Ich hatte über die Jahre immer weniger Löcher.“

Für den Schweizer Käsemeister Andreas Brunner ist das keine Spielerei, sondern existenziell. "Ich bin sehr froh, dass es dieses Pulver gibt", sagt der 58-Jährige gegenüber der Deutschen Presseagentur. "Ich hatte über die Jahre immer weniger Löcher." Doch der Weg zur Anwendung war alles andere als trivial.

Streit um Authentizität

Das Pulver wurde zunächst vom Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft abgelehnt. Die Sorge: eine schleichende Industrialisierung eines traditionsreichen Produkts.

Der Branchenverband zog vor Gericht – mit Erfolg. Ein Urteil von 2025 erlaubte schließlich den Einsatz der Heublumen-Mischung und stellte klar: Die Maßnahme diene nicht der Verfälschung, sondern der Wiederherstellung traditioneller Qualität.

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