Neu veröffentlichte E-Mails des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zeigen, wie weitreichend seine internationalen Verbindungen waren. Dokumente des US-Justizministeriums legen nahe, dass sein Netzwerk auch bis nach Österreich reichte – konkret nach Vorarlberg.
In mehreren E-Mails, die an Epstein gerichtet waren, werden Aufenthalte in heimischen Skiregionen erwähnt. Genannt werden unter anderem das Montafon sowie Zürs am Arlberg, berichtet der "ORF". Eine der Nachrichten aus dem Jänner 2012 schildert einen scheinbar harmlosen Winteraufenthalt in Österreich: viel Schnee, gute Bedingungen im Skigebiet und ein Aufenthalt im Montafon.
Brisant wird der Inhalt jedoch durch eine Passage, in der von zwei 15-jährigen Schweizer Jugendlichen die Rede ist. Diese würden – so heißt es wörtlich – alles tun, was man ihnen vorschlage, und seien "very obedient", also "sehr gehorsam". Angesichts der bekannten Verbrechen Epsteins wirft diese Formulierung schwerwiegende Fragen auf.
Der Absender der E-Mail bleibt unbekannt, da die Behörden die Absenderadresse geschwärzt haben. In der Nachricht bezeichnet sich die Person selbst als "former athlete", also als ehemaliger Profisportler. Zudem wird geschildert, man habe sich gegenüber einem Tourismusbüro als Journalist eines Snowboard-Magazins ausgegeben, um kostenlose Skipässe und eine Unterkunft zu erhalten. Ein Teil dieser Leistungen sei anschließend weiterverkauft worden.
Der E-Mail waren zwei Bilder angehängt. Epsteins Antwort darauf fiel knapp aus und lautete lediglich: "Looking". Zum Zeitpunkt der E-Mails war Epstein bereits vorbestraft.
Ob und in welchem Zusammenhang der Aufenthalt in Vorarlberg mit möglichen strafbaren Handlungen steht, ist derzeit offen. Ebenso unklar ist, ob der Absender einen direkten Bezug zu Vorarlberg hatte oder aus einem anderen Land stammt. Die Art der Formulierungen in der Nachricht deutet jedoch auf eine Person aus dem Ausland hin.
In einer anderen E-Mail aus dem Jahr 2012 zeigt sich eine unbekannte Person überrascht darüber, dass Epstein sich nach vier Monaten noch an eine Begebenheit oder ein Treffen erinnern könne. Worum es dabei konkret ging, lässt sich aus dem veröffentlichten Ausschnitt nicht eindeutig ableiten.
Epstein reagierte darauf mit einer knappen Nachricht, die mehrere Rechtschreibfehler enthält: "zurs, de austrain ski resort". Offenkundig ist damit Zürs am Arlberg gemeint.
Ob sich Epstein dabei auf einen eigenen Aufenthalt bezog oder lediglich auf eine Erzählung seines Gegenübers reagierte, bleibt unklar. Ebenso gibt es keine Hinweise auf Zeitpunkt, Dauer oder Begleitung eines möglichen Besuchs.
Auch ist offen, ob die beiden bekannt gewordenen E-Mails von derselben oder von unterschiedlichen Personen stammen. Die Erwähnungen zeigen jedoch, dass der Arlberg im E-Mail-Verkehr rund um Epstein zumindest thematisiert wurde.