Erfolgsmodell aus Belgien

ER machte schlimmste Problemstadt zum Juwel für alle

Der Bürgermeister des belgischen Mechelen zeigt, wie Integration und Sicherheit funktionieren – ein mögliches Vorbild für österreichische Großstädte.
Newsdesk Heute
05.04.2026, 07:00
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Verbrechen, Schmutz, Perspektivlosigkeit – so sah die belgische Stadt Mechelen noch in den 1990ern aus. Heute leben dort Menschen aus rund 140 Ländern, knapp 40 Prozent haben Migrationshintergrund, dennoch gilt Mechelen zwischen als sicherste Stadt des Landes.

Der Mann hinter diesem Wandel in den letzten 25 Jahren: Bürgermeister Bart Somers. Sein Rezept klingt einfach, ist aber konsequent umgesetzt – und könnte auch für österreichische Städte spannend sein.

Dabei muss Ideologie außen vor gelassen werden: "Die Rechten brandmarken Migranten als Schuldige, die Linken sehen sie immer als Opfer". Und auch in Communitys darf nicht gedacht werden, mahnt der Politiker gegenüber der "Kleinen Zeitung". Sein Zugang: Alle sind Bürger, alle haben gleiche Rechte, Pflichten – und Chancen.

Sicherheit an erster Stelle

An erster Stelle steht Sicherheit: Mehr Polizisten, mehr Präsenz, mehr Kameras. "Zuerst muss man für Sicherheit sorgen. Tut das Politik nicht, wenden sich die Menschen Extremisten zu. Ich bin ein Liberaler, aber ich habe in der Stadt jede Menge Überwachungskameras installiert."

Gleichzeitig wurde massiv in Sauberkeit, nächtliche Beleuchtung und öffentliche Räume investiert. "Gerade auch dort, wo hohe Konzentrationen an Zuwanderern leben. Sind die Viertel attraktiv, kommt auch der Mittelstand zurück." Das Ziel: bessere Lebensqualität für alle – und weniger Abschottung. Das sei der erste Schritt, um die Segregation zu durchbrechen.

Dazu gehöre dann auch, dass Zuwanderer die Sprache lernen. Neuankömmlingen wird ein "Buddy" als Hilfe dabei zur Seite gestellt.

Null Toleranz – aber mit Chancen

Wer Regeln bricht, spürt Konsequenzen. Somers setzt auf Nulltoleranz bei Randalierern und Kleinkriminellen – aber auch auf zweite Chancen, auf den rechten Weg zurückzufinden. Dabei gibt es Unterstützung seitens der Stadt: Hilfe bei Jobsuche, Ausbildung und Integration.

"Wir binden auch Eltern, die Zivilbevölkerung ein, stellen in den Ferien Studierende an, die bei den Spielplätzen darauf achten, dass es keine Raufereien und Vandalismus gibt. Die kommen selbst aus den Vierteln und kennen alle."

Somers hat auch Vätergruppen ins Leben gerufen und ihnen einen Treffpunkt zum Teetrinken gegeben: "Dafür haben sie in Straßen und Parks geschaut, dass sich ihre Söhne ordentlich benehmen, von deren Übeltaten wir ihnen erzählt haben." So hätten sich viele Dealer-Probleme familienintern lösen lassen.

Durchmischung statt Parallelwelten

Ein weiterer zentraler Punkt: soziale Durchmischung. Familien werden bewusst auf verschiedene Schulen verteilt, Wohnraum wird gezielt vergeben. "Wir haben versucht, immer mehrere belgische Familien gemeinsam dazu zu motivieren, dass sie ihre Kinder an Schulen mit hohem Migrationsanteil geben – und dann massiv in die Qualität dieser Standorte investiert." Im Gegenzug wurden Zuwanderer motiviert, ihren Nachwuchs an elitären Schulen anzumelden.

"Tradition ist keine Wand, mit der wir uns abschotten"

Auch bei kleineren Problemen greift Somers kreativ durch. Als junge Männer mit gemieteten Protz-Autos durch die Stadt rasten, ließ er die Fahrzeuge beschlagnahmen. Die Folge: die Lenker mussten wochenlang die Miete zahlen – danach herrschte rasch Ruhe auf den Straßen.

Mechelens Bürgermeister ist überzeugt, dass es für gelungene Integration Bewegung und Willen auf beiden Seiten, also auch den Alteingesessenen, geben muss: "Tradition ist keine Wand, mit der wir uns abschotten, es soll eine Brücke fürs Zusammenleben sein. Oder anders gesagt: Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers."

Sein Erfolgsmodell zeigt: Mit klaren Regeln, echter Integration und Beteiligung aller kann das Zusammenleben funktionieren. "Das alles ist harte Arbeit!"

{title && {title} } red, {title && {title} } 05.04.2026, 07:00
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