Schock-Aussage an Schule

"Mit dir spiele ich nicht, weil du Christ bist"

Viele Kinder können nicht einmal grundlegende Hygieneregeln – gleichzeitig eskalieren Konflikte immer öfter: Lehrer und Direktoren schlagen Alarm.
André Wilding
29.03.2026, 13:00
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Schmutzige Toiletten, fehlende Hygienekenntnisse und Konflikte unter Schülern: Der Alltag an manchen Schulen ist herausfordernder, als viele vermuten. Pädagoginnen berichten gegenüber der "Kleinen Zeitung" von Problemen, die bereits bei den einfachsten Dingen beginnen.

An einer Grazer Schule schildern Lehrerinnen ihre Erfahrungen offen. "Wir haben hier viele Probleme", sagen Verena Müllner und Kerstin Tanner in der Tageszeitung. Bei vielen Kindern fehle es an grundlegenden Fähigkeiten.

"Kinder wissen nicht, wie man aufs Klo geht"

"Wir haben Kinder, die nicht wissen, wie man sich die Hände wäscht, wie man richtig aufs Klo geht oder sich danach sauber macht", wird Tanner in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Der Ausgangspunkt sei oft schwierig: "Wenn man in der ersten Klasse normalerweise bei null startet, starten wir vielfach bei minus zehn", ergänzt Müllner.

Gleichzeitig versuchen die Lehrerinnen, Werte wie Respekt und Zusammenhalt zu vermitteln. Wenn Aussagen fallen wie "Mit dir spiele ich nicht, weil du Christ bist", greifen sie ein, heißt es im Bericht der Tageszeitung weiter. Auch bei Fragen rund um Gleichberechtigung sehen sie Handlungsbedarf.

Überraschend sei für viele, dass Gewalt im Schulalltag nicht überall dominiert. "Gewalt ist bei uns tatsächlich kein Thema, genauso wenig der Respekt von den Kindern zu uns", sagen die beiden Pädagoginnen in der "Kleinen Zeitung".

Blutige Nasen, aufgesprungenen Lippen

Doch nicht alle Schulen erleben den Alltag so ruhig. In anderen Bildungseinrichtungen berichten Verantwortliche von blutigen Nasen, aufgesprungenen Lippen und eskalierenden Situationen – vor allem in Pausen. "Es kommt von einem Gerangel immer häufiger zu ersten körperlichen Austragungen. Aus Spaß wird schnell Ernst", schildert Direktorin Josefine Seiberl gegenüber der Tageszeitung.

Konflikte enden dabei oft nicht im Klassenzimmer. Auch Eltern würden zunehmend eingreifen – teils sehr emotional. "Das waren ja die anderen, mein Kind macht so etwas nicht", beschreibt Seiberl die häufige Reaktion in der "Kleinen Zeitung". In manchen Fällen werde sogar mit Anzeigen gedroht.

Auch an anderen Schulen gibt es Probleme – etwa verschmutzte Sanitäranlagen oder Konflikte unter Schülern. Direktor Bernhard Braunstein sieht in der Tageszeitung einen Teil der Ursachen im gesellschaftlichen Umfeld: Viele Eltern würden Verantwortung an Institutionen abgeben, gleichzeitig würden Hinweise auf Probleme oft als Angriff verstanden.

"Unwirkliche Welt"

Eine große Rolle spielen laut ihm auch soziale Medien. "Die Kinder kriegen dort eine unwirkliche Welt präsentiert, wo sie ein Selbstverständnis dafür kriegen: Es ist ja nix dabei, filmen wir halt einen, wenn er geschlagen wird", sagt Braunstein der "Kleinen Zeitung".

Klar ist: Herausforderungen im Schulalltag gibt es vielerorts – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Wie stark sie sichtbar werden, hängt oft auch davon ab, wie offen darüber gesprochen wird.

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