Immer wieder sorgen die massiven Sprachprobleme an Wiener Schulen für Schlagzeilen. Das Schulsystem steht vor enormen Herausforderungen: Rund die Hälfte der Schulanfänger spricht so wenig Deutsch, dass sie die Lehrer nicht verstehen kann. Doch die Zahlen sind nicht nur für den schulischen Erfolg alarmierend – auch politisch wächst die Sorge um die Zukunft.
"Die Schule ist das eine, doch der Arbeitsmarkt ist das nächste Problem", sagt Harald Zierfuß. Der Klubobmann der Wiener ÖVP ist zudem Bildungssprecher seiner Partei. Seiner Ansicht nach sind die Sprachprobleme an den Schulen erst der Anfang. "Was soll aus diesen Kindern werden, wenn sie unsere Sprache nicht sprechen?", fragt er.
Seiner Ansicht nach ist sich die Wiener Stadtregierung des Ausmaßes des Problems nicht bewusst. Laut Zierfuß löst sich das Problem nicht von selbst – im Gegenteil, es wird exponentiell schlimmer. Je mehr Schüler kein Deutsch sprechen, desto geringer sind die Chancen, dass es die anderen lernen. Insgesamt sinkt das Bildungsniveau, weil die Lehrer ständig mit Verständigungsproblemen beschäftigt sind.
Tatsächlich hat Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) bereits mehrere Initiativen gestartet. Besonders die Kindergärten sollen im Hinblick auf frühe Sprachförderung in den Fokus rücken. Dennoch, so Zierfuß, sei noch viel zu wenig getan worden: "Die SPÖ und NEOS haben hier versagt. Der ehemalige Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr wurde sogar zum Bildungsminister befördert", kritisiert er.
Die ÖVP fordert Sprachstandsfeststellungen bei Dreijährigen. Kinder, die nicht genügend Deutsch sprechen, sollen für 30 Stunden in den Kindergarten verpflichtet werden. Laut dem ÖVP-Deutschförderplan soll jedes Kind bis zum Schulbeginn Deutsch beherrschen. "Es geht um die Zukunft unserer Stadt", betont Zierfuß. Kommt keine Lösung, wandert das Problem von den Klassenzimmern direkt in Beruf und Gesellschaft.