Nach dem schrecklichen Brand zu Silvester in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Skiort Crans-Montana sind die Betreiber von den Ermittlern befragt worden. Das französische Ehepaar Jacques und Jessica Moretti, das die Bar führt, ist am Freitag in der Früh bei der Staatsanwaltschaft im Kanton Wallis in Sitten erschienen. Vor den vielen Medienleuten sind sie mit gesenktem Kopf vorbeigegangen, Jessica Moretti hatte eine große dunkle Sonnenbrille auf.
Es war das erste Mal, dass das Paar seit Beginn der Ermittlungen am 3. Jänner befragt wurde. Gegen die beiden läuft ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung. Festgenommen oder unter Hausarrest gestellt wurden sie aber nicht. In einer Erklärung am Dienstag haben sie eine "vollständige Zusammenarbeit" mit den Behörden zugesagt.
In der Silvesternacht sind bei dem Brand 40 Menschen gestorben, 116 wurden verletzt, viele davon schwer. Die Hälfte der Toten war noch minderjährig, das jüngste Opfer war erst 14 Jahre alt, das älteste 39.
Romain Jordan, Anwalt der Hinterbliebenen, hat vor der Einvernahme erklärt, dass er und seine Mandanten "Antworten" erwarten, warum "dieses Drama, das sich nie hätte ereignen dürfen, eingetreten ist hier in der Schweiz, trotz eines juristischen Arsenals, eines gesetzgeberischen Arsenals, eines Aufsichtsarsenals". Die Opfer und ihre Familien wollen, dass "alle Verantwortlichkeiten von A bis Z festgestellt" werden.
Laut ersten Ermittlungen dürfte das Feuer im Keller der Bar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst worden sein, die an Sektflaschen befestigt waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. Die Ermittler prüfen jetzt auch, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprochen hat. Am Dienstag hat der Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud zugegeben, dass die letzte Brandschutzkontrolle, die eigentlich jedes Jahr stattfinden müsste, zuletzt 2019 in der Bar gemacht wurde.
Die Katastrophe hat in der Schweiz für große Betroffenheit und Trauer gesorgt. Bundespräsident Guy Parmelin hat den Brand "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat" genannt. Am Freitag will die Schweiz mit einem nationalen Trauertag an die Opfer erinnern. Im ganzen Land sollen um 14 Uhr die Kirchenglocken läuten, gleichzeitig ist eine Schweigeminute geplant.
In Martigny, westlich von Crans-Montana, findet eine Gedenkfeier statt, zu der neben Bundespräsident Parmelin auch internationale Gäste wie der französische Präsident Emmanuel Macron erwartet werden. In Crans-Montana können die Menschen die Zeremonie auf großen Bildschirmen mitverfolgen.