Nach dem tödlichen Brand im Nachtclub "Le Constellation" in der Silvesternacht laufen die Ermittlungen weiter. Jetzt sorgt ein Video, das laut mehreren Medienberichten nur den Behörden vorliegen soll, für neue Empörung.
In den Aufnahmen sei demnach die Mitbetreiberin Jessica Moretti zu sehen, wie sie mit den Einnahmen des Abends das brennende Lokal verlässt – während drinnen Dutzende Menschen sterben. Laut den Berichten soll sie die Kassa unter ihrem verbrannten Arm getragen haben. Das Material ist öffentlich nicht einsehbar, soll aber den Ermittlern vorliegen, berichtet die "Krone".
Während am Brandort noch der Geruch des Infernos hängt, sind die Emotionen bei Angehörigen und in der Gemeinde hoch. Bürgermeister Nicolas Féraud sagt: "Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt".
Gleichzeitig wächst der politische Druck auf den Ortschef. Féraud hatte eingeräumt, dass es seit 2020 keine Kontrollen in dem Lokal an der Rue Centrale gegeben habe. Bei Überprüfungen wäre laut Bericht wohl aufgefallen, dass es längst nicht mehr nur um eine Bar ging, sondern um eine Art Diskothek, in die deutlich mehr als 240 Personen eingelassen wurden.
Gegen Jessica Moretti und den zweiten Betreiber Jacques Moretti wird unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung und Brandstiftung ermittelt. Haftmaßnahmen gibt es laut Behörden bislang nicht – es fehle derzeit an ausreichenden Beweisen.
Als möglicher Auslöser des Feuers gilt nach bisherigen Erkenntnissen der Einsatz von "Wunderkerzen" beziehungsweise einer funkensprühenden "Partyfontäne", wodurch eine Schaumstoffdecke Feuer gefangen haben soll. Die Flammen hätten sich danach extrem schnell ausgebreitet.
Woraus die Decke genau bestand, ist Teil der laufenden Ermittlungen. Bei Kontrollen in den Jahren 2017 bis 2019 seien keine Mängel festgestellt worden. Der Betreiber habe das Lokal vor etwa zehn Jahren selbst umgebaut – für Änderungen im Innenausbau sei keine Genehmigung nötig.
Bei dem Inferno kamen 40 Menschen ums Leben, 116 wurden verletzt. Die meisten Opfer stammten demnach aus der Schweiz, Frankreich und Italien. Den Betroffenen und ihren Familien soll finanzielle Unterstützung zukommen.