Eine Woche nach dem tödlichen Inferno im Le Constellation gibt es immer noch viele offene Fragen. Warum wurde das Lokal jahrelang offenbar nicht kontrolliert? Wie konnten so viele Jugendliche bis spät in der Nacht in der Bar sein? Und welche Fehler haben die Betreiber gemacht, die nach der Silvester-Katastrophe bereits von Ex-Mitarbeitern und Stammgästen hart kritisiert wurden?
Sébastien Fanti vertritt als Anwalt mehrere Familien von Verletzten. Früher war er neun Jahre lang Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter im Kanton Wallis. In dieser Zeit hat er auch mehrere Korruptionsfälle aufgedeckt. "Neun Jahre habe ich mich mit lokalen Behörden angelegt und konnte auch eine Reihe von Fehlern in Crans-Montana nachweisen. Ich kenne diese Leute in- und auswendig", erzählt Fanti der französischen Zeitung "Le Parisien".
Barbetreiber Jacques Moretti, der sich gemeinsam mit seiner Frau erstmals offiziell zum Brand geäußert hat, sei laut Fanti eine "zwielichtige Figur", berichtet "20 Minuten". Neben einer bekannten Verurteilung in Frankreich wegen Zuhälterei soll der 49-jährige Korse das Constellation und andere Immobilien im Wallis mit fragwürdigen Mitteln gekauft haben – so der Verdacht des Anwalts.
"Ich habe Informationen, dass er hier Immobilien im Wert von mehreren Millionen Franken gekauft hat, ohne auch nur einen Franken Hypothek aufzunehmen", sagt Fanti zur französischen Zeitung. "Ich bin 54 Jahre alt, arbeite seit 26 Jahren als Anwalt und habe auf jede meiner Immobilien eine Hypothek – ich kenne keinen ausländischen Mandanten, der sich in der Schweiz niederlässt, ohne eine Hypothek aufzunehmen. Und Herr Moretti kommt nach Crans-Montana und kauft Immobilien im Wert von drei Millionen Franken in bar."
Woher das Geld stammt, lässt sich laut Fanti nicht nachvollziehen. Im Wallis fehle eine eigene Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche wie in Frankreich. Fanti weiß von mehreren Insolvenzen von Moretti in der Schweiz, in Frankreich und auf Korsika. Die französischen Behörden haben damals nicht nur wegen Zuhälterei ermittelt, sondern auch wegen Freiheitsberaubung und Betrug.
Es ist laut Fanti gut möglich, dass Moretti Verbindungen zu mafiösen Organisationen hatte – speziell auf Korsika, wo diese im Drogen- und Menschenhandel, aber auch im Bau- und Immobiliengeschäft aktiv sind.
Monatlich zahlt der Barbetreiber 40.000 Franken (rund 42.900 Euro) Miete. "Wissen Sie, wie viele Kaffees und Champagnerflaschen man verkaufen muss, um monatlich 40.000 Franken Miete zu bezahlen? Sehr viele", sagt der Walliser Anwalt.
Im Namen seiner Klienten will Fanti jetzt die Verhaftung des Betreiberpaares sowie von Verantwortlichen der Gemeinde beantragen. Große Hoffnung hat er aber nicht: "Das wird nicht passieren, weil hier alle gemeinsam Golf spielen. Aber wir werden es versuchen", so der Anwalt.