"Direkte Konfrontation" droht

USA verfolgen Öltanker – Russen schicken U-Boot

Nach Lust und Laune ließ US-Präsident Trump in den letzten Wochen Öltanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmen. Nun mischt sich Putin ein.
Nick Wolfinger
07.01.2026, 14:11
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Seit Wochen liefern sich die USA auf hoher See ein Katz-und-Maus-Spiel mit einem verdächtigen Öltanker. Um einer Beschlagnahmung durch die US-Marine zu entgehen, ließ sich das Schiff nun in Russland registrieren – und erhielt umgehend Begleitschutz durch die russische Marine.

Sollten die USA weiterhin an einer Beschlagnahmung festhalten, droht eine militärische Auseinandersetzung mit Russland. Daran haben wohl weder US-Präsident Trump noch Russlands Präsident Putin ein Interesse. Doch stellt sich nun die Frage: Wer gibt als erstes nach?

Erste Sichtung am 15. Dezember

Doch alles der Reihe nach: Die Geschichte begann am 15. Dezember des Vorjahres. Das Schiff, damals noch als "Bella 1" unter der Flagge Panamas unterwegs, fiel der US-Küstenwache im karbischen Meer auf. Das Schiff war zuvor in einem iranischen Hafen und hatte bereits eine wochenlange Reise hinter sich. Der Verdacht auf die Umgehung der US-Sanktionen gegen den Iran stand im Raum.

Tauschgeschäfte mit dem Iran

Wozu das erdölreiche Venezuela überhaupt Erdöl aus dem Iran importieren sollte, lässt sich mit der Besonderheit der Zusammensetzung des venezolanischen Erdöls erklären. Da es besonders schwer ist, werden bestimmte Raffinerieprodukte als Zusatzstoffe benötigt, um das zähflüssige Rohöl flüssiger und somit leichter transportierbar zu machen.

Aufgrund der US-Sanktionen gegen Venzuelas Ölindustrie liefert diese daher der ebenfalls sanktionierte Iran. Da auch Russland mit westlichen Sanktionen belegt ist – und sowohl mit Venezuela als auch dem Iran verbündet ist – kommen auch russische Schiffe zum Einsatz. Gleichzeitig wird freilich alles versucht, um den US-Behörden nicht aufzufallen. Daher auch der Name "Schattenflotte" für die meist unter "falscher Flagge" fahrenden, russischen Öltanker.

Öltanker erbittet russischen Schutz

Das Schiff, das als Zielhafen Curaçao in Venezuela angegeben hatte, verlangsamte nach Aufmerksamwerden auf die US-Beobachter seine Fahrt, drehte am 18. Dezember vollständig um und schaltete sein Transponder-Signal aus, wie das russische Exilmedium "theins" online berichtete. Die US-Küstenwache nahm die Verfolung auf. Das Wall Street Journal berichtete, die Besatzung habe in dem Versuch, der Verfolgung zu entkommen, eine russische Flagge auf den Tanker gemalt.

Laut hochrangigen US-Beamten geschah dies offenbar in dem Versuch, Schutz von Moskau zu erbitten. In der Folge änderte das Schiff seine Registrierung und fährt nun unter dem Namen "Marinera" unter russischer Flagge. Dass die russischen Behörden eine so schnelle Umregistrierung ermöglichten, gilt als außergewöhnlich.

Britische und US-Marine verfolgen Schiff

Die US-Regierung überlegt indes, den Öltanker gewaltsam übernehmen, wie CNN berichtet. Am 3. Jänner wurde die Marinera im Nordatlantik nahe der britischen Küste gesichtet. Neben amerikanischen Kriegsschiffen sind auch britische Kampfjets, Hubschrauber und NATO-Aufklärungsflugzeuge im Einsatz.

Am Wochenende landeten zehn C-17 Globemaster und zwei AC-130J Ghostrider auf zwei RAF-Stützpunkten, RAF Fairford in Gloucestershire und RAF Mildenhall in Suffolk, was ein mögliches Anzeichen für weitere Aktionen sein könnte, wie die britische "dailymail" berichtet.

Russland schickt Marine-Eskorte

Nun hat jedoch auch Russland seine Marine eingeschaltet und ein U-Boot und mehrere Kriegsschiffe losgeschickt, um die Marinera sicher in russische Gewässer zu bringen. Offiziell betont der Kreml, an Bord des Öltankers sei "nichts Erwähnenswertes". Moskau fordert von den USA, die Verfolgung sofort einzustellen – andernfalls drohe eine "direkte Konfrontation". Bereits im Mai 2025 schickte Russland einen Kampfjet los, um die estnische Marine davon abzuhalten, ein sanktioniertes Schiff zu stoppen.

Die britische Marine begleitet ein russisches U-Boot durch den Ärmelkanal – Archivbild, Dezember 2025
Reuters

Russland erklärte, es beobachte die Situation rund um das Schiff "mit Besorgnis". "Unser Schiff fährt derzeit unter der Staatsflagge der Russischen Föderation in internationalen Gewässern des Nordatlantiks und in voller Übereinstimmung mit den Normen des internationalen Seerechts", teilte das Außenministerium in Moskau mit.

Entscheidung diese Woche

Nun stellt sich die Frage, ob die USA weiterhin an eine Enterung des Schiffes denken, nachdem es unter Schutz der russischen Marine gestellt wurde. Laut Insidern könnte der Zugriff der USA noch diese Woche erfolgen, das endgültige "OK" fehlt aber noch. Geplant wäre, mit Osprey-Hubschraubern Spezialeinheiten auf dem Schiff abzusetzen. Diese Hubschrauber kamen bereits im Dezember 2025 zum Einsatz, als US-Truppen vor der Küste Venezuelas einen anderen Öltanker kaperten.

Sollte die Marinera tatsächlich von US-Soldaten übernommen werden, wäre das bereits der dritte Fall seit September, bei dem die USA fremde Öltanker militärisch unter ihre Kontrolle bringen. Insgesamt sollen 16 Schiffe die Blockade umgangen haben – oft mit falschen Namen, manipulierten Trackingdaten oder ausgeschaltetem Ortungssystem.

Allerdings haben sich durch den Wechsel zu einer russischen Flagge die Rahmenbedingungen für eine potentielle Enterung des Schiffes geändert. "Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen sieht eine Bestimmung vor, die es den Behörden erlaubt, ein staatenloses Schiff zu entern. Durch die Umflaggenänderung nach Russland kann das Schiff nicht mehr gemäß dieser Bestimmung entert werden", erklärte eine Seerechtsexpertin gegenüber der britischen "BBC".

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 07.01.2026, 14:16, 07.01.2026, 14:11
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