Bei einer orthodoxen Weihnachtsfeier hat Kremlchef Wladimir Putin Russlands Soldaten religiös aufgeladen: In einer Kirche nahe Moskau sprach er von einer "heiligen Mission" – und stellte den Kriegsdienst als Auftrag Gottes dar.
Putin sagte in der Nacht auf Mittwoch vor Militärangehörigen und deren Familien, die russischen Soldaten erfüllten eine besondere Aufgabe. "Auch die Soldaten Russlands erfüllen immer - sozusagen im Auftrag des Herrn - diese Mission: die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen", so Putin.
In Russland habe man die eigenen Krieger zu allen Zeiten auf einer "heiligen Mission" gesehen, fügte er hinzu. Den andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine erwähnte er dabei nicht.
Wie Kathpress berichtete, erinnerte Putin in dem vom Kreml veröffentlichten Video außerdem daran, dass Jesus oft als Erlöser bezeichnet werde – er sei auf die Erde gekommen, um alle Menschen zu retten.
Russisch-orthodoxe Christen feiern Weihnachten traditionell in der Nacht vom 6. auf den 7. Jänner. Putin gratuliert den Gläubigen dabei regelmäßig zu dem hohen Kirchenfest.
Scharfe Kritik an Putins Worten kam von der orthodoxen Theologin Natallia Vasilevich. Sie protestierte gegen die Berufung auf die Mission Jesu Christi im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und warf Putin laut KNA Gotteslästerung vor. "Die Größe Russlands und der Krieg in der Ukraine sind jetzt Putins wahre Religion", so Vasilevich.
Sie betonte, russische Soldaten hätten die Ukraine angegriffen und besetzt und wollten das Land sowie seine Identität zerstören. Putin nutze religiöse Narrative aus ihrer Sicht symbolisch, um seine Vision zu stützen – obwohl sich die Erzählungen widersprächen. Nach Angaben der Initiative "Christen gegen den Krieg" wurden seit 2022 auch Dutzende Geistliche im Ukraine-Krieg getötet.