Feuer von Crans-Montana

Gemeinde gesteht: "Hätte verhindert werden können"

Beim verheerenden Brand von Crans-Montana kamen in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben. Nun gestand die Gemeinde Fehler ein.
Newsdesk Heute
07.01.2026, 08:29
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Gegen 1.30 Uhr endete eine Silvesterparty in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana in einer Katastrophe. Durch an Champagnerflaschen befestigte Wunderkerzen geriet die mit Schaumstoff verkleidete Decke in Brand. Am Ende verloren 40 Menschen ihr Leben.

Am Dienstag traten nun Gemeindepräsident Nicolas Féraud und der Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde vor die Journalisten. Von der ursprünglichen Version, dass die Kontrollen nicht lasch gewesen seien, wich Féraud dabei ab.

Letzte Kontrolle im Jahr 2019

Fakt ist, dass die Bar zum letzten Mal im Jahr 2019 überprüft wurde. Diese sei, wie die "Bild" berichtet, jedoch lückenhaft gewesen. So war den Behörden damals nicht bekannt, welche Feiern dort stattfinden würden. Auch wie gefährlich die verbauten Materialien waren, wusste offenbar niemand. Ebenfalls über die Verwendung von Wunderkerzen auf den Champagnerflaschen hatte man keine Kenntnis.

Die Treppe, die von vielen Gästen als Fluchtweg genutzt wurde, sei lediglich 1,37 Meter breit gewesen. Das Lokal war allgemein nur für 200 Gäste insgesamt zugelassen. Die Raucherlounge der Bar hatte zwar einen Notausgang, dieser sei jedoch kaum wahrnehmbar gewesen. Ob er in der Nacht offen war, wisse man nicht. Das Fazit des Gemeindepräsidenten Crans-Montanas: Die Katastrophe hätte "wahrscheinlich verhindert werden können".

Keine Erklärung für fehlende Kontrollen

Féraud gab an, dass er keine persönlichen Beziehungen zur Betreiberfamilie unterhielt. Ihm zufolge habe es auch keine Bestechungsversuche gegeben. "Das können wir uns absolut nicht vorstellen", meinte der Gemeindepräsidenten. Das zweite Lokal der Familie – "Le Senso" – soll nun auf Anordnung der Gemeinde geschlossen werden.

Warum es im "Le Constellation" fünf Jahre lang keine Kontrollen gegeben hat, konnte sich Féraud nicht erklären. Dies müsse nun von der Justiz geklärt werden. Als Sofortmaßnahme kündigte Crans-Montana an, alle öffentlichen Betriebe in zu überprüfen. Dazu soll ein externes Büro beauftragt werden.

Die Gemeinde werde darauf bestehen, dass sämtliche Materialien kontrolliert werden, auch wenn dies gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. Außerdem werde es künftig ein Verbot von Feuerwerken jedweder Art in geschlossenen Räumen geben.

Keine Rücktritte geplant

Diese Ankündigungen dürften aber nicht zufriedenstellend gewirkt haben. Immer wieder brachten Journalisten während der Pressekonferenz die Mitverantwortung der Gemeinde ins Spiel. Am Ende musste der Gemeindepräsident beim Verlassen des Saals von Sicherheitskräften abgeschirmt werden.

Laut eigener Aussage habe Féraud nicht an Rücktritte gedacht. "Wir sind vom Volk gewählt und verlassen bei Sturm nicht das Schiff", so der Gemeindepräsident. Es wurde betont, dass die Gemeinde als Geschädigte am stärksten von der Katastrophe betroffen sei.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 07.01.2026, 08:55, 07.01.2026, 08:29
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