Rückschlag für Wiederkehr

Erstes Bundesland erteilt 6 Jahren Volksschule Absage

NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr will die Volksschule auf sechs Jahre verlängern. In Tirol stößt das Modell auf heftigen Widerstand.
Newsdesk Heute
01.10.2026, 20:19
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Die geplante Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre sorgt für Streit. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will das Modell österreichweit an mindestens fünf Standorten erproben. Tirol wird vorerst nicht dabei sein. Im Landtag prallten am Donnerstag unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Bildungssystems aufeinander.

Die NEOS hatten die Debatte unter dem Titel "Mut zu Reformen in der Bildung: neue Schulmodelle statt früher Auslese und ideologischer Scheuklappen" auf die Tagesordnung gesetzt, berichtet der ORF. Klubobfrau und Landessprecherin Birgit Obermüller unterstützte dabei den Vorschlag ihres Parteikollegen Wiederkehr. Sie kritisierte, dass die soziale Herkunft noch immer zu stark über den Bildungserfolg von Kindern entscheide.

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Mit zwölf Jahren sei es wesentlich einfacher, über den weiteren Bildungsweg zu entscheiden, argumentierte Obermüller. Eine längere gemeinsame Volksschulzeit könne die Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen.

ÖVP-Landesrätin sieht Probleme bei der Umsetzung

Tirols ÖVP-Bildungslandesrätin Cornelia Hagele hatte dem Modell bereits zuvor eine Absage erteilt. Sie hält das Konzept für unausgereift und sieht vor allem Probleme bei der Finanzierung und der vorhandenen Infrastruktur. Es fehlten die räumlichen Voraussetzungen, um eine sechsjährige Volksschule umzusetzen.

Außerdem müsse der Druck auf die Schülerinnen und Schüler reduziert werden. Die Trennung nach der vierten Klasse lediglich um zwei Jahre zu verschieben, ändere aus ihrer Sicht nichts Grundlegendes am System.

ÖVP-Bildungssprecher Dominik Draxl verwies im Landtag auf die Zuständigkeiten des Bundes. Das Land könne in diesem Bereich nur indirekt Einfluss nehmen. Gleichzeitig sprach er sich für ein vielfältiges und durchlässiges Schulsystem aus. Reformen würden bereits umgesetzt, betonte er.

SPÖ und Grüne wollen längeres gemeinsames Lernen

Auch die SPÖ sieht in einer längeren gemeinsamen Schulzeit einen möglichen Weg. Landtagsabgeordneter Benedikt Lentsch verwies auf die soziale Vererbung von Bildungschancen. Kinder aus bildungsfernen Familien hätten es besonders schwer.

Als Ziel nannte Lentsch eine gemeinsame Schule für Zehn- bis 14-Jährige, die ganztägig geführt wird und individuelle Förderung ermöglicht. Die sechsjährige Volksschule verschiebe die Trennung lediglich um zwei Jahre, kritisierte auch er.

Die Grünen sprachen sich ebenfalls für eine gemeinsame Schule aus. Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan bezeichnete das Bildungssystem als überlastet. Kinder mit Migrationshintergrund seien zwar mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert, aber nicht die Ursache der Probleme.

Arslan kritisierte zudem die Bundesregierung. Das geplante Kopftuchverbot betreffe laut ihrer Aussage nur 0,01 Prozent der Schülerinnen und Schüler, während 400.000 Minderjährige von Armut betroffen seien. Ihre Kritik richtete sich auch an die Parteien der Landesregierung: Die ÖVP sei reformresistent, die NEOS umsetzungsresistent und die SPÖ entscheidungsresistent, sagte sie.

FPÖ fordert mehr Disziplin in den Klassen

Die FPÖ setzte in der Debatte andere Schwerpunkte. Landtagsabgeordnete Gudrun Kofler sprach sich für mehr Autorität und Disziplin im Klassenzimmer aus. Lehrkräfte müssten Grenzen setzen dürfen. Gleichzeitig betonte sie, dass ein durchlässiges Schulsystem wichtig sei. Daraus folge aber nicht, dass alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr gemeinsam unterrichtet werden sollten.

Kofler thematisierte außerdem die Deutschkenntnisse vor dem Schuleintritt. Sie forderte verpflichtende Deutschkenntnisse und verwies darauf, dass nach ihren Angaben mehr als 23 Prozent der Kinder in der ersten Klasse intensive Deutschförderung benötigten. Die Verantwortung dafür verortete sie vor allem in den Elternhäusern.

Auch Liste-Fritz-Parteiobfrau Andrea Haselwanter-Schneider kritisierte die Tiroler Landesregierung. Sie vermisse den Willen, neue Schulmodelle auszuprobieren. Die sechsjährige Volksschule werde zwar nicht alle Probleme lösen, sagte sie. Dennoch müsse man den Mut haben, neue Ansätze zu testen und wissenschaftlich zu begleiten.

Schulversuch soll an mindestens fünf Standorten starten

Der Vorschlag von Bildungsminister Wiederkehr sieht vor, die Volksschule um zwei Jahre zu verlängern. Damit würde die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg erst nach der sechsten Schulstufe fallen. Österreichweit soll der Schulversuch an mindestens fünf Standorten starten.

In Tirol ist eine Teilnahme derzeit nicht vorgesehen. Die Debatte im Landtag zeigte, dass die Parteien unterschiedliche Antworten auf die Frage haben, wann Kinder auf verschiedene Bildungswege aufgeteilt werden sollen und wie soziale Unterschiede im Bildungssystem verringert werden können.

red,01.10.2026, 20:19
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