Die Grünen kritisieren Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) nach dessen Auftritt in der ORF-"Pressestunde". Bildungssprecherin Sigi Maurer wirft ihm vor, große Vorhaben anzukündigen, zugleich aber deren Umsetzung infrage zu stellen. Besonders die geplante sechsjährige Volksschule steht dabei im Mittelpunkt ihrer Kritik.
"Wiederkehr hat viele Ideen, das muss man ihm lassen. Was ihm aber komplett fehlt, ist ein Plan, wie er diese umsetzen kann und das Bildungssystem für unsere Kinder wirklich gerechter macht", sagt Maurer laut Aussendung der Grünen.
Konkret bezieht sie sich auf Wiederkehrs Pläne, die Volksschule auf sechs Jahre zu verlängern. In seiner "Pressestunde" habe der Minister laut Maurer die Ankündigung relativiert. Die Grünen-Bildungssprecherin hält eine längere gemeinsame Schulzeit zwar grundsätzlich für sinnvoll, kritisiert aber, dass aus ihrer Sicht nicht klar sei, wie das Vorhaben umgesetzt werden soll.
"Wer selbst sagt, dass er sein eigenes Vorzeigeprojekt gar nicht umsetzen will, entlarvt es als reinen Marketingschmäh", so Maurer. Sie fordert ein Bildungssystem, das allen Kindern gleiche Chancen bietet, und wirft Wiederkehr vor, eher Schlagzeilen zu produzieren als konkrete Verbesserungen umzusetzen.
Wiederkehr hatte am Donnerstag die Rahmenbedingungen für einen Schulversuch zur sechsjährigen Volksschule vorgestellt. Ab dem Schuljahr 2027/28 soll das Modell zunächst an mindestens fünf Standorten in zumindest drei Bundesländern freiwillig erprobt und wissenschaftlich begleitet werden. Interessierte Volksschulen können sich dafür melden; Voraussetzung ist eine Kooperation mit einer benachbarten Mittelschule oder AHS-Unterstufe.
Die Idee dahinter: Kinder sollen erst mit zwölf Jahren statt wie bisher nach vier Volksschuljahren über ihren weiteren Bildungsweg entscheiden. Der Schulversuch soll laut Ministerium nicht einfach zwei zusätzliche Jahre an den bisherigen Volksschulunterricht anhängen, sondern ein eigenes pädagogisches Konzept erproben.