Seit Freitag ist klar: Gerhard Zeiler will SPÖ-Chef Andreas Babler herausfordern und die Führung der Sozialdemokraten übernehmen. Obwohl der Name bereits seit Wochen in Medien kursierte, kam die Ankündigung ein wenig aus dem Nichts.
Im großen "Krone"-Interview mit Conny Bischofberger sprach der 71-Jährige nun nicht nur über seine Beweggründe und den möglichen Weg an die Parteispitze, sondern gab auch Einblicke in seine politischen Vorstellungen.
Zeiler selbst verortet sich dabei eindeutig: "Ich bin links der Mitte. Ich bin wirtschaftlich orientiert. Und ich bin Pragmatiker." Besonders deutlich positioniert sich der ehemalige ORF-General beim Thema Wirtschaft. Für ihn steht fest: "Priorität Nummer eins ist Wirtschaftswachstum. Das benötigen wir, um unser Sozialsystem aufrechtzuerhalten."
Ohne eine wachsende Wirtschaft würden aus Zeilers Sicht soziale Spannungen und Armut zunehmen. Einen Widerspruch zwischen wirtschaftsfreundlicher Politik und Sozialdemokratie sieht der Medienmanager nicht – im Gegenteil: "Ich bin wirtschaftsorientiert, nicht obwohl ich Sozialdemokrat bin, sondern weil ich Sozialdemokrat bin."
Auch am bisherigen Kurs der Bundesregierung übt Zeiler Kritik. Sollte er SPÖ-Chef werden, wolle er mit ÖVP und NEOS über ein neues Konzept für Österreich sprechen. Zeiler selbst bezeichnete dieses Vorhaben als "Bauchaufschwung".
Mit den Vorstellungen der FPÖ kann er hingegen wenig anfangen. "Wir brauchen kein Zurück zur Vergangenheit, wie ich es auf Wahlplakaten der FPÖ sehe. Man kann nicht mit den Methoden der Vergangenheit die Probleme der Zukunft lösen." Dass das Angebot der Freiheitlichen derzeit bei vielen Wählern verfange, führt Zeiler auch auf fehlende Zukunftskonzepte der Regierungsparteien zurück.
Auch in der Migrationspolitik schlägt der mögliche Babler-Herausforderer einen klaren Kurs ein. Für Zeiler beginnt Integration mit dem Erlernen der deutschen Sprache. "Asylwerber müssen Deutsch lernen, denn ohne Deutsch gibt es keine Integration. Sie müssen unsere Regeln, Werte und Gesetze akzeptieren und einhalten. Und sie müssen, wenn sie können, auch arbeiten und Steuern zahlen", beschreibt er seine Vorstellungen.
Wer diese Regeln missachte, müsse laut Zeiler mit Konsequenzen rechnen. Besonders bei Straftaten legt er sich fest: "Wer zu uns kommt und kriminell wird, muss wieder zurück! Da gibt es kein Wenn und Aber."
Weiters macht der 71-Jährige keinen Hehl daraus, dass er die SPÖ nicht auf Dauer führen möchte. Sollte die Partei ihm das Vertrauen schenken, sieht er sich vielmehr als Übergangslösung.
"Selbstverständlich ist das eine Übergangslösung. Die Hauptaufgabe wird es sein, junge Leute, die es gibt, wieder in die SPÖ zu bringen." Als Parteichef wolle er daher auch versuchen, junge Menschen wieder für die Sozialdemokratie zu gewinnen und in Parteifunktionen zu bringen.