Andreas Babler denkt nicht daran, den SPÖ-Vorsitz zurückzulegen. Nach dem Vorstoß von Medienmanager Gerhard Zeiler, der sich als möglicher Parteichef ins Spiel gebracht hat, verwies der Vizekanzler am Samstag auf seine Wiederwahl im März. Damals habe er einen "klaren Auftrag" erhalten, sagte Babler laut ORF am Rande des "Tags des Sports" am Wiener Heldenplatz. Für eine mögliche Kandidatur Zeilers gebe es klare Regeln.
Derzeit handle es sich um "Gerüchte", dass sich jemand als Kandidat positionieren wolle, so Babler. Ob er im Fall einer Herausforderung eine Mitgliederbefragung oder einen Sonderparteitag mit Kampfabstimmung bevorzugen würde, ließ er offen. Zugleich verwies er auf anstehende Regierungsprojekte: die Spritpreisbremse, die Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden sowie Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft.
Zeiler müsste für eine vorzeitige Vorsitzendenwahl rund 12.500 Unterschriften von SPÖ-Mitgliedern sammeln. Alternativ könnte der Bundesparteivorstand einen außerordentlichen Parteitag einberufen und damit eine Entscheidung beschleunigen. Die nächste reguläre Sitzung des Vorstands ist für den 6. November geplant; sie könnte auch vorgezogen werden. Eine Direktwahl muss laut den geltenden Regeln acht Wochen vor dem Wahltag angekündigt werden.
Babler war im März für eine dreijährige Amtszeit wiedergewählt worden. Die parteiinternen Diskussionen über seine mögliche Ablöse waren durch Zeilers öffentliche Erklärung am Freitag erneut in den Fokus gerückt. Gegenüber der "Kronen Zeitung" hatte Zeiler gesagt: "Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen."
Aus der Bundespartei erhielt Babler am Samstag Unterstützung von Staatssekretärin Michaela Schmidt. Sie verwies darauf, dass Babler die SPÖ in die Regierung geführt und ein Regierungsprogramm mit sozialdemokratischer Handschrift durchgesetzt habe. "Er ist erst im März mit eindeutiger Mehrheit gewählt worden", sagte Schmidt dem ORF.
GPA-Chefin Barbara Teiber wollte sich hingegen nicht an der Personaldebatte beteiligen. Sie kritisierte, dass die SPÖ seit Jahren öffentlich über ihr Spitzenpersonal diskutiere. Zu Zeilers politischen Positionen wisse sie bislang zu wenig, sagte Teiber in einem vorab veröffentlichten Ausschnitt der ORF-Sendung "Hohes Haus".
Auch aus den Bundesländern kamen unterschiedliche Signale. Salzburgs SPÖ-Chef Peter Eder forderte, die Diskussionen auf Bundesebene zu beenden. Aus dem Burgenland kam ein deutliches Nein zu Zeiler. Vorarlbergs Landesvorsitzender Mario Leiter zeigte sich offener und verwies auf den Wettbewerb der Ideen.
Aus der steirischen SPÖ kamen grundsätzlich freundliche Worte; die Wiener SPÖ betonte, dass ein klar geregelter demokratischer Prozess einzuhalten sei.
Eine Kampfabstimmung um den SPÖ-Vorsitz wäre erst die dritte in der Parteigeschichte. 1967 setzte sich Bruno Kreisky gegen Hans Czettel durch. 2023 gewann Babler den Wettbewerb um die Nachfolge von Pamela Rendi-Wagner gegen den damaligen burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.