Jetzt spricht Gerhard Zeiler Klartext über seine politische Zukunft. Der frühere ORF-Generalintendant und internationale Medienmanager erklärt erstmals ausdrücklich, dass er bereit wäre, die Führung der SPÖ zu übernehmen. Sein Name wird seit Wochen als möglicher Nachfolger von Parteichef Andreas Babler genannt.
Gegenüber "Krone"-Interviewerin Conny Bischofberger begründet Zeiler, warum er nun öffentlich Stellung bezieht: "Da mein Name jetzt seit einigen Wochen wieder durch die Presse gegeistert ist, habe ich mir gesagt, du musst dich entscheiden. Man kann das weder anderen noch sich selbst zumuten, nicht klar Stellung zu nehmen"
Zeiler habe sich daraufhin grundsätzlich mit der Frage beschäftigt, ob er für die Aufgabe geeignet sei. "Deshalb habe ich mir folgende Fragen gestellt: Bin ich in der Lage, das zu tun? Habe ich die Kraft dazu? Habe ich das Wissen dazu? Habe ich die Erfahrung dazu? Habe ich den notwendigen Mut, auch Dinge zu ändern? Meine Antwort lautet: Ja. Ich stehe zur Verfügung."
Auch seine Ambitionen formuliert der Medienmanager deutlich: "Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen."
Ob es tatsächlich zu einer Kandidatur kommt, hängt für Zeiler allerdings von der Partei ab. "Ich habe noch nie in meinem Leben wo gearbeitet, wo ich nicht gewollt bin. Und jetzt muss die SPÖ sagen: Ist Gerhard Zeiler gewollt oder ist er nicht gewollt?"
Bereits zuvor hatte Journalist und SPÖ-Kenner Peter Pelinka bei PULS 24 eine öffentliche Positionierung Zeilers angekündigt. Auf die Spekulationen über einen möglichen Wechsel an der Parteispitze angesprochen, sagte er: "Gerhard Zeiler wird sich in den nächsten Tagen öffentlich deklarieren."
Pelinka sieht Zeiler als möglichen Impulsgeber für die Sozialdemokraten. Einen Wechsel an der Parteispitze betrachtet er als mögliche Chance für die Partei.
Die Personaldebatte trifft die SPÖ in einer schwierigen Umfragephase. Die Sozialdemokraten liegen seit Monaten bei rund 15 Prozent.
Wie Wähler auf Zeiler als Spitzenkandidaten reagieren könnten, wurde zuletzt in der "Frage der Woche" für den Polit-Talk "Aktuell: Die Woche" bei ATV und JOYN abgefragt. Meinungsforscher Peter Hajek wollte wissen, ob die SPÖ für die Befragten wählbar wäre, wenn Zeiler statt Babler bei der nächsten Nationalratswahl antreten würde.
Insgesamt 43 Prozent bezeichneten die SPÖ mit Zeiler zumindest als Wahloption. Zwölf Prozent würden sie nach eigenen Angaben "ganz sicher" wählen, weitere 31 Prozent antworteten mit "möglicherweise".
41 Prozent schlossen eine Stimme für die SPÖ auch unter Zeiler aus, 15 Prozent machten keine Angabe.
"Gerhard Zeiler wäre für knapp jeden zweiten Wähler in Österreich bei der Nationalratswahl 2029 eine Wahloption", erklärt Hajek zu den Zahlen. Allerdings würden derzeit nur rund zwölf Prozent eine SPÖ mit Zeiler sicher wählen. Rund ein Drittel könnte sich eine Stimme zumindest vorstellen.
Deutlich höher fällt die angegebene Wahlbereitschaft unter den befragten SPÖ-Wählern aus. Für insgesamt 86 Prozent wäre die Partei mit Zeiler wählbar. 37 Prozent antworteten mit "ganz sicher", weitere 49 Prozent mit "möglicherweise". Acht Prozent würden die SPÖ mit Zeiler nicht wählen.
Hajeks Einschätzung dazu: "In der SPÖ-Wählerschaft hat Zeiler kaum Akzeptanzprobleme."
Zeiler führte unterdessen bereits Gespräche mit führenden SPÖ-Politikern. Nach "Heute"-Informationen kam es bereits zu einem zweiten Treffen mit Wiens SPÖ-Chef Michael Ludwig.
Auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) steht mit Zeiler in Kontakt. Ein persönliches Treffen soll in den kommenden Wochen stattfinden. Kärnten SPÖ-Landeschef Daniel Fellner soll Zeiler laut "Krone" bereits Ende Juli getroffen haben.