Gewalt gegen Frauen

"Es macht Angst" – KI-Nacktbilder von Schilling im Netz

Gefälschte Nacktbilder treffen Europas Politik: Laut Studie ist jede sechste EU-Abgeordnete betroffen – darunter Lena Schilling.
Newsdesk Heute
06.10.2026, 14:18
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Künstliche Intelligenz wird zunehmend dazu missbraucht, Politikerinnen mit gefälschten sexualisierten Bildern anzugreifen.

Besonders Frauen sind betroffen: Eine neue Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass etwa jede sechste weibliche Abgeordnete im EU-Parlament in Verbindung mit sogenannter Deepfake-Pornografie auftaucht.

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Wie berichtet, zählt auch die österreichische Grünen-Europaabgeordnete Lena Schilling zu den Betroffenen.

46 von 50 Betroffenen sind Frauen

Eine Untersuchung des Thinktanks Agora Digitale Transformation identifizierte zusätzlich zu den vorige Woche veröffentlichten 147 Fällen weitere 50 betroffene Mitglieder des EU-Parlaments – 46 Frauen und vier Männer. Dafür wurden die Namen aller 720 EU-Abgeordneten auf 200 einschlägigen Websites untersucht.

Die Ergebnisse zeigen dabei unterschiedliche Formen des Missbrauchs. Acht Abgeordnete – ausschließlich Frauen – wurden demnach direkt mit manipulierten sexualisierten Bildern dargestellt.

Bei weiteren 22 Mandataren tauchten Porträts oder persönliche Angaben auf sogenannten "Gateway"-Seiten auf. Direkt daneben führten Links zu KI-Anwendungen, mit denen Bilder von Personen künstlich entkleidet werden können.

Schilling: "Es macht Angst"

Für Lena Schilling ist die Gefahr nicht abstrakt. Bei einer Pressekonferenz schilderte sie, was es bedeutet, plötzlich mit manipulierten Nacktbildern konfrontiert zu sein.

"Stellen Sie sich vor, Sie machen morgens den Laptop auf und sehen Nacktbilder von sich, im Internet veröffentlicht. Aber Sie haben nie Nacktbilder gemacht. Das ist mir und vielen anderen Frauen geschehen", sagte Schilling. "Das ist ein schreckliches Gefühl, das uns krank macht".

Besonders problematisch sei der abschreckende Effekt auf Frauen, die überlegen, selbst in die Politik zu gehen. "Denn wenn Frauen denken: Moment, wenn ich kandidiere, dann erscheinen Nacktbilder von mir im Internet, dann ist das einschüchternd. Es macht Angst."

"Das ist Gewalt gegen Frauen"

Schilling bezeichnet die manipulierten Aufnahmen klar als Form von Gewalt. "Das ist Gewalt gegen Frauen", sagte die Grünen-Mandatarin. Dass die Attacken digital stattfinden, ändere daran nichts. "Aber es ist Gewalt, und es fühlt sich auch so an."

Die Studie kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Frauen in der Politik deutlich häufiger betroffen sind. Das Problem erstreckt sich dabei über die politischen Lager hinweg: Betroffene fanden die Forscher in allen großen Fraktionen des EU-Parlaments.

Gelöschte Seiten bleiben noch auffindbar

Ein zusätzliches Problem zeigt sich bei Suchmaschinen. Laut Untersuchung blieben Einträge teilweise selbst dann auffindbar, nachdem die dahinterliegenden Inhalte nicht mehr verfügbar oder ganze Domains bereits von Behörden beschlagnahmt worden waren.

Die Autoren kritisieren deshalb, dass Betroffene derzeit vielfach selbst nach den Inhalten suchen und deren Entfernung beantragen müssen. Die Studie fordert unter anderem raschere De-Indexierung und stärkere Pflichten für Plattformen, App-Stores, Zahlungsdienstleister und Hostinganbieter.

EU verbietet "Nudifier" ab Dezember

Ab 2. Dezember 2026 gelten in der EU neue Verbote für KI-Systeme, die ohne Zustimmung sexualisierte oder intime Darstellungen realer Personen erzeugen. Die entsprechende Änderung des AI Act wurde bereits beschlossen.

Schilling und weitere EU-Abgeordnete fordern nun, dass dieses sogenannte "Nudifier-Verbot" konsequent durchgesetzt wird. Gefordert werden ausreichend ausgestattete Behörden sowie mehr Verantwortung für Plattformen und KI-Unternehmen.

Denn ein Verbot allein löse das Problem nicht, argumentiert auch die Untersuchung: Die derzeitigen Regeln würden oft erst greifen, wenn die manipulierten Bilder bereits erstellt und verbreitet worden seien.

red,Akt. 06.10.2026, 15:04, 06.10.2026, 14:18