Nach dem Eklat rund um die Salzburger Festspiele gibt es nun eine überraschende Lösung an der Spitze: Karin Bergmann übernimmt die Leitung – und schreibt damit Geschichte.
Die ehemalige Burgtheater-Direktorin wird erste Intendantin der Festspiele und folgt auf Markus Hinterhäuser, der nach heftigen Querelen aus dem Amt geschieden ist. Die Personalentscheidung hat dabei eine besondere Brisanz: Ausgerechnet Bergmann ist eng mit jenem Konflikt verbunden, der Hinterhäusers Abgang auslöste.
Der Streit entzündete sich an der Neubesetzung der Schauspielleitung. Hinterhäuser hatte sich im Jänner öffentlich für Bergmann als neue Schauspielchefin ausgesprochen – obwohl parallel ein offizieller Bewerbungsprozess lief, an dem sie nicht teilnahm.
Das sorgte für deutliche Kritik im Kuratorium. Dessen Vorsitzende, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), zeigte dem künstlerischen Leiter "die Gelbe Karte" und sprach von einem Verstoß gegen eine vertraglich festgelegte "Wohlverhaltensklausel". In der Folge eskalierte der Konflikt, bis Hinterhäuser kurz vor Ostern mit sofortiger Wirkung beurlaubt wurde.
Mit Bergmann übernimmt nun eine erfahrene Krisenmanagerin ein Festival im Ausnahmezustand. Bereits 2014 war sie kurzfristig an die Spitze des Wiener Burgtheaters gerückt, nachdem Direktor Matthias Hartmann im Zuge eines Finanzskandals abgesetzt worden war. Die Aufgabe bewältigte sie damals sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich erfolgreich.
Auch in Salzburg ist sie nun eine Pionierin: Wie schon am Burgtheater ist sie auch bei den Festspielen die erste Frau in dieser Funktion. Übergangssituationen zu stabilisieren und bestehende Programme weiterzuführen, gilt als eine ihrer Stärken.
Karin Bergmann wurde 1953 im deutschen Recklinghausen geboren. 1986 kam sie als Pressesprecherin von Direktor Claus Peymann an das Burgtheater nach Wien, 1999 machte Klaus Bachler sie zur stellvertretenden Direktorin. Nach dem Abgang von Matthias Hartmann im Jahr 2014 übernahm sie zunächst interimistisch für zwei Saisonen, danach regulär die Leitung. Mit Ende der Saison 2018/2019 verließ sie das Haus. Seit 2022 leitet sie die Bereiche Schauspiel und Literatur der Salzkammergut Festwochen Gmunden.
In Salzburg warten nun große Herausforderungen. Das Festival beginnt in rund drei Monaten und basiert noch auf der Planung ihres Vorgängers. Gleichzeitig muss bereits am Programm für 2027 gearbeitet werden, das im Herbst stehen soll. Neben organisatorischen Aufgaben wird es für Bergmann auch darum gehen, Ruhe in den zuletzt stark unter Druck geratenen Festspielbetrieb zu bringen.