"Niemand hat die Glaskugel"

Ex-Kanzler Sebastian Kurz lässt mit Aussage aufhorchen

Ex-Kanzler Sebastian Kurz spricht in einem Interview über den Krieg mit dem Iran, Reformen beim Völkerrecht und sein Unternehmen im Nahen Osten.
André Wilding
11.03.2026, 07:59
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Der frühere Bundeskanzler Sebastian Kurz meldet sich in der Tageszeitung "KURIER" mit klaren Worten zur Eskalation im Nahen Osten zu Wort. Der Unternehmer, der heute viel Zeit in der Region verbringt, rechnet nicht mit einem großen Flächenbrand.

"Niemand hat die Glaskugel, niemand kann die Zukunft vorhersagen, aber ehrlicherweise teile ich die Einschätzung nicht", sagt Kurz über Warnungen vor einem möglichen Dritten Weltkrieg. Konflikte rund um den Iran und Israel gebe es seit Jahrzehnten. Jetzt gehe es darum, den Iran militärisch zu schwächen.

"Trump hat es in der Hand"

Der 39-Jährige glaubt zudem nicht an eine massive Eskalation. Vielmehr hätten die letzten Tage gezeigt, "dass die militärischen Möglichkeiten des Iran beschränkt sind", stellt er im KURIER klar.

Auch zur Rolle der USA äußert sich der Ex-Kanzler. "Der Unterschied zwischen Experten und Trump ist: Donald Trump hat es in der Hand", sagt Kurz der Tageszeitung. Er entscheide letztlich, wie lange Angriffe der USA auf den Iran dauern. Von Anfang an sei klar gewesen, dass es sich um eine begrenzte Operation handeln werde.

Zentrale Kraft hinter Terror

Nach Gesprächen mit Kontakten aus der Region rechnet Kurz sogar mit einem raschen Ende. Regierungsvertreter hätten ihm zuletzt gesagt, dass der Konflikt womöglich kürzer dauern könnte als viele glauben.

Als Ziel der militärischen Aktionen nennt Kurz vor allem die Schwächung des iranischen Regimes. Dieses sei aus seiner Sicht eine zentrale Kraft hinter Terror in der Region. Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober habe gezeigt, welche Rolle der Iran dabei spiele.

"Das Regime im Iran ist die ideologische Basis für viel Terror in Europa und dem Rest der Welt", sagt der ehemalige Regierungschef Österreichs gegenüber dem "KURIER". Gegen diese Strukturen vorzugehen halte er für richtig.

"Ich halte Angriffe für richtig"

Auf die Frage, ob die Angriffe trotz fehlender völkerrechtlicher Grundlage gerechtfertigt seien, antwortet er im "KURIER" deutlich: "Ich halte es für richtig und kann es auch begründen." Das Völkerrecht dürfe nicht dazu führen, dass moralische Maßstäbe verschoben werden.

Sebastian Kurz plädiert deshalb für eine breitere Debatte über internationale Regeln und Institutionen. Wenn das Völkerrecht dazu genutzt werde, dass ein Regime weiter handeln könne, müsse man darüber sprechen, ob Anpassungen nötig sind.

Gleichzeitig bezeichnet sich der frühere Regierungschef im "KURIER" als klaren Unterstützer internationaler Zusammenarbeit. "Ich bin ein totaler Befürworter des Multilateralismus." Allerdings habe er schon als Außenminister erlebt, dass die UNO oft nicht ausreichend handlungsfähig sei. Aus seiner Sicht brauche es daher Reformen.

Heute arbeitet Sebastian Kurz als Unternehmer. Mit seiner Firma "Dream" entwickelt er Lösungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Dabei gehe es um sogenannte Sovereign AI-Systeme für Regierungen und große Unternehmen, die ihre Daten nicht in der Cloud speichern wollen.

"Westliche Welt Stück weit sicherer machen"

Das erste Produkt des Unternehmens entstand im Bereich Cybersicherheit und wird laut Kurz in mehreren Regionen eingesetzt. "Wir arbeiten nur im Westen, also überraschenderweise nicht im Iran oder in Russland oder China und versuchen unseren Beitrag zu leisten, die westliche Welt ein Stück weit sicherer zu machen", betont er im "KURIER".

Zur aktuellen Debatte über eine mögliche Verlängerung des Wehrdienstes in Österreich hält sich Sebastian Kurz gegenüber der Tageszeitung zurück. Innenpolitische Diskussionen kommentiere er bewusst nicht.

Auch zu einem Gerücht rund um eine mögliche Sicherheitskonferenz in Wien äußert sich der 39-Jährige nur knapp. Er habe davon noch nie gehört. "Insofern trifft das Wort Gerücht zu", stellt Kurz klar.

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