Die Präsidentin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Amy Pope, schlägt Alarm. Sollte der Iran-Krieg noch länger andauern oder sich im schlimmsten Fall sogar noch ausweiten, könnte eine neue Flüchtlingswelle drohen.
"Schauen Sie sich das Beispiel der Ukraine an, wo innerhalb weniger Tage Millionen von Menschen die Grenze überquert haben", sagte Pope im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Brüssel.
Der britische Rechtspopulist Nigel Farage, Vorsitzender der Partei Reform UK, stellte bereits klar: "Wir können keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen". Sollten Menschen aus dem Iran fliehen, sollten sie im Nahen Osten aufgenommen werden, so Farage.
Die UNO-Organisation mit Sitz in Genf werde daher die Migrationsbewegungen im Iran ganz genau beobachten, um rechtzeitig Vorkehrungen treffen zu können. "Wir sehen Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben werden. Wir beobachten, ob und wann diese Vertreibung auf andere Länder übergreifen wird", so die US-Amerikanerin.
Normalerweise fliehen Betroffene zuerst zu Familienangehörigen oder Bekannten in der Region. Erst wenn die Lage schlimmer wird, etwa, wenn Infrastruktur wie Strom- oder Wasserversorgung zerstört wird, ziehen die Fluchtbewegungen immer weitere Kreise.
"Was wir in der Vergangenheit bei Angriffen im Iran beobachtet haben, ist, dass sie zunächst die großen Städte verlassen und zu Familienangehörigen gehen", so Pope zur DPA. Sie rät daher, sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten: "Es ist unglaublich wichtig, mit der Ausarbeitung von Notfallplänen zu beginnen".
Nach UNO-Angaben sind in den ersten beiden Tagen des US-israelischen Kriegs gegen den Iran bereits rund 100.000 Menschen aus der Hauptstadt Teheran geflohen. Dies teilte die UNHCR am Mittwoch mit. Darüber hinaus "deuten die jüngsten Informationen auf keine Zunahme der grenzüberschreitenden Bewegungen im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen hin".
Als erstes wäre im Ernstfall wohl, wie so oft, die Türkei betroffen, die quasi das Scharnier zwischen Europa und Asien darstellt. Es müsse daher schon jetzt evaluiert werden, welche Unterstützung die Türkei bei der Aufnahme von Flüchtlingen bräuchte.
Die EU-Asylbehörde EUAA mit Sitz in Valletta (Malta) bezeichnet den Iran laut "Berliner Morgenpost" als "potenziellen Brennpunkt", räumt aber ein, dass Prognosen derzeit "noch sehr spekulativ" seien.
Österreichs EU-Migrationskommissar Magnus Brunner beruhigt: Derzeit seien der EU-Kommission keine größeren Bewegungen an den Außengrenzen des Iran aufgefallen.
Der deutschen "Bild" erzählte Brunner, er habe am Montag mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan telefoniert. Dieser habe ihm versichert, dass die Grenzen zum Iran geschlossen wurden. Es gebe eine "gute Kooperation" zwischen EU und der Türkei. "Diese möchten wir beibehalten und intensivieren", versprach er, bei der Migrationsfrage engagiert zu bleiben.