Die militärische Eskalation im Nahen Osten sorgt weltweit für Nervosität. Nach den israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Iran wächst die Sorge, dass der Konflikt noch deutlich größere Ausmaße annehmen könnte.
Der Politologe Peter Neumann vom King's College London sieht die Entwicklung mit großer Skepsis. In der Sendung "Message Macht Medien" mit Polit-Insider und krone.tv-Podcaster Gerald Fleischmann zeichnete er ein düsteres Bild der aktuellen geopolitischen Lage. Seine Warnung: "Ein Weltkrieg ist es noch nicht, das kann noch kommen."
Der Experte hält es für möglich, dass sich aus dem angespannten Verhältnis zwischen Israel, den USA und dem Iran sowie weiteren internationalen Konflikten eine globale Eskalation entwickeln könnte.
Einen politischen Umbruch im Iran erwartet Neumann dagegen kaum. Die Chance auf einen Regimewechsel bezifferte er auf "sehr gering", vielleicht bei fünf Prozent. Wahrscheinlicher sei lediglich eine Veränderung innerhalb des bestehenden Systems.
Im Video: Nach Stunden der Angst können Rückkehrer wieder lachen
Ein demokratischer Wandel sei aus seiner Sicht äußerst unwahrscheinlich. "Wer übernimmt am Tag danach?", stellte Neumann die zentrale Frage. Und gab gleich selbst die Antwort: "Wir wissen es nicht. Wir haben keine Ahnung, wer tatsächlich mögliche politische Anführer sind, die das Land einen könnten. Und die verhindern, dass das gleiche Chaos ausbricht wie in Libyen oder im Irak."
Auch zur Rolle der USA äußerte sich der Politologe kritisch. US-Präsident Donald Trump verwende Narrative, "die sehr gut zu russischen Narrativen passen, aber auch zu Narrativen der Neuen Rechten in Europa, der Rechtspopulisten". Sinngemäßes Fazit des Experten: Im europäischen politischen Spektrum wäre Trump wohl der extremen Rechten zuzuordnen.
"Er spricht von Remigration, er verwendet im Prinzip implizit die Theorie des großen Austausches", sagte Neumann. In einer im November veröffentlichten US-Sicherheitsstrategie werde Europa zudem als "Kontinent in zivilisatorischem Niedergang" beschrieben, analysierte der Politologe. Daraus werde abgeleitet, dass patriotische Kräfte unterstützt werden müssten, die sich dagegenstellen.
"Das ist ja genau die Rhetorik, die wir auch in Europa sehen und die von Russland auch unterstützt wird. Also er ist da im Prinzip genau auf dieser Linie."
Gleichzeitig warnte der Experte davor, dass extreme Positionen zunehmend gesellschaftsfähig werden könnten. "Wir erleben das bei Trump. Also vieles von dem, was der so raushaut, hätte man sich vor zehn Jahren nicht vorstellen können und ist auch in der Bevölkerung angekommen. Also insofern kann Extremismus zur Normalität werden."
Der Sender "krone.tv" zeigt das Interview am Donnerstag (21.15 Uhr) auch im TV.