Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten bringt die globalen Warenströme zunehmend durcheinander. Stefan Paul, Chef des Logistikriesen Kühne+Nagel, schlägt Alarm: Derzeit fehlen rund 18 Prozent der weltweiten Luftfrachtkapazitäten.
Das Unternehmen beobachtet die Lage genau. "Wir haben täglich Krisenmeetings, prüfen die Lage und schauen, dass es unseren Mitarbeitenden in der Region gut geht", sagt Paul laut 20 Minuten gegenüber dem SRF.
Die Auswirkungen betreffen sowohl den Luft- als auch den Seeverkehr. In Europa seien die Folgen derzeit noch vergleichsweise begrenzt. Abgesehen von steigenden Energiepreisen seien die Lieferketten hier bislang weniger stark betroffen.
Ganz anders ist die Situation jedoch in den Golfstaaten. Dort könnten sich die Probleme rasch zuspitzen. "Dubai hat zum Beispiel nur noch frische Lebensmittel für etwa zehn Tage", warnt Paul. Besonders kritisch könnte es bei frischen Produkten wie Gemüse oder Obst werden. Viele Staaten in der Region sind stark auf Importe angewiesen.
Sollte der Konflikt länger andauern, rechnet der Logistik-Chef mit Engpässen. Ein Transport über die Straße von Saudi-Arabien aus sei zwar grundsätzlich möglich. Doch die Kapazitäten reichen laut Paul kaum aus, um die Ladung eines einzigen Containerschiffs zu ersetzen.
Auf einem solchen Schiff werden oft bis zu 20.000 Container transportiert - eine Menge, die mit Lastwagen kaum zu bewältigen ist.