Der Schock kam per Telefon – und er sitzt bis heute tief. Am 3. September 2025 um 12.53 Uhr meldet sich die Easybank bei einem 44-jährigen Wiener. "Man hat mich gefragt, ob ich einen Kredit über 8.000 Euro aufgenommen und 9.500 Euro überwiesen habe", erzählt der Familienvater im Gespräch mit "Heute". In diesem Moment wusste er sofort, dass etwas nicht stimmt.
Er verneinte umgehend. Doch während er noch mit der Bank sprach, war sein Konto bereits leergeräumt. "Ich habe keine Überweisung gemacht, keinen Kredit beantragt. Ich habe nichts freigegeben", sagt er. Trotzdem waren innerhalb weniger Stunden 9.500 Euro verschwunden – das gesamte Ersparte der Familie.
Schon vor dem Anruf war ihm aufgefallen, dass sein Smartphone ungewöhnlich langsam reagierte. Apps öffneten sich verzögert, alles wirkte träge und instabil. "Ich habe mir zuerst nichts gedacht, aber es war definitiv nicht normal", schildert der 44-Jährige.
Kurz darauf trafen mehrere TAN-Nachrichten ein – obwohl er nach eigenen Angaben keine einzige Transaktion durchgeführt hatte. "Ich habe nichts bestätigt. Plötzlich kommen Codes, die ich gar nicht angefordert habe." Für ihn fühlt es sich bis heute so an, als hätte jemand Zugriff auf sein Gerät gehabt.
Noch am selben Tag erstattete die Familie Anzeige bei der Polizei. Der aufgenommene Kredit über 8.000 Euro konnte später rückabgewickelt werden. Die 9.500 Euro jedoch blieben verschwunden – bis heute.
"Das war unser ganzes Polster", sagt seine Frau. Die Eltern, 44 und 40 Jahre alt, haben zwei Kinder im Alter von 13 und 3 Jahren. Die Mutter arbeitet nur Teilzeit, regelmäßig musste auf Erspartes zurückgegriffen werden. "Das war unsere Sicherheit für Notfälle. Und plötzlich war sie weg."
Durch Akteneinsicht über einen Anwalt erfuhr die Familie später, dass ein Beschuldigter ausgeforscht worden war. Laut Ermittlungsunterlagen soll dieser das Geld behoben haben. Seine Erklärung gegenüber den Behörden: Er habe den Betrag "für einen Freund" abgehoben, der sich in Mazedonien ein Auto kaufen wollte.
"Als wir das gelesen haben, konnten wir es kaum glauben", sagt der 44-Jährige. "Unser Geld wird abgehoben, weitergeschickt – und dann heißt es einfach, es war für einen Freund." Für die Familie klingt das wie eine Ausrede, die kaum überprüft wurde.
Den Ermittlungen zufolge lief der Betrag zunächst über ein weiteres Konto bei derselben Bank. Von dort wurde das Geld in mehreren kleineren Summen über Western Union weitergeleitet, unter anderem mit Bezug nach Mazedonien. Trotz dieser Spur wurde das Verfahren eingestellt.
So schützt du dich vor Identitätsbetrug
– Persönliche Daten sparsam teilen: Lade Ausweis-Kopien oder Dokumente nur bei seriösen und bekannten Anbietern hoch.
– Misstrauisch bei Anrufen: Wenn angebliche Berater zu Investitionen oder Krediten drängen, besser sofort auflegen.
– Kontobewegungen regelmäßig prüfen: Kontrolliere dein Konto und Kreditkartenabrechnungen häufig auf unbekannte Buchungen.
– Bei Verdacht sofort handeln: Informiere deine Bank und erstatte Anzeige bei der Polizei.
– Sichere Passwörter verwenden: Nutze starke, unterschiedliche Passwörter und wenn möglich eine Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Für den Familienvater bleiben entscheidende Fragen offen. "Warum wird so ein Konto nicht sofort gesperrt? Wenn das alles bei derselben Bank passiert, müsste doch ein Alarm losgehen." Er habe das Gefühl, dass vieles ungeklärt geblieben sei.
Mit Schreiben vom 6. Oktober 2025 teilte die Bank dem 44-Jährigen schließlich mit, er habe Zugangsdaten oder einen mobilen TAN-Code weitergegeben. Das weist er entschieden zurück. "Ich habe nichts weitergegeben. Niemand kennt meine PIN. Auch meine Frau nicht." Konkrete technische Details zu diesem Vorwurf seien nicht genannt worden. "Man sagt uns nur, wir seien selbst schuld. Aber wie genau das passiert sein soll, erklärt uns niemand", so der Betroffene. Für die Familie ist das bis heute schwer nachvollziehbar.
"Heute" konfrontierte die BAWAG als Mutterkonzern der Easybank mit den zentralen Punkten des Falls. Zunächst heißt es: "Wir bedauern, dass der Kunde einen finanziellen Schaden erlitten hat. Wir ersuchen jedoch um Verständnis, dass unser Institut hierfür nicht aufkommen kann."
Die Erklärung des Instituts: "Nach den uns vorliegenden Informationen wurden die Transaktionen mit den personalisierten Zugangsdaten ordnungsgemäß autorisiert. Dies weist darauf hin, dass Zugangsdaten an Dritte weitergegeben wurden."