Fast Fashion – Mode für den Müll produziert

Jede Sekunde wird eine ganze Lkw-Ladung Kleidung verbrannt oder auf die Deponie geworfen, um Platz für neue Ware zu schaffen. Trotzdem setzen die Konzerne weiter auf Wegwerfmode.
Jede Sekunde wird eine ganze Lkw-Ladung Kleidung verbrannt oder auf die Deponie geworfen, um Platz für neue Ware zu schaffen. Trotzdem setzen die Konzerne weiter auf Wegwerfmode.ALEX HALADA / picturedesk.com
Die Hälfte der Kleidung, die in den Kästen der Österreicher liegt, wird laut einer Umfrage von AK und Greenpeace kaum bis gar nicht getragen.

Die schnelllebige Modeindustrie "heizt die Klimakrise an, verschmutzt Flüsse und Meere und ist für untragbare Arbeitsbedingungen für Millionen von Menschen verantwortlich", sagte Greenpeace-Sprecherin Lisa Panhuber. Nur drei Prozent der Textilien weltweit werden recycelt. "Es wird zu viel produziert und weggeworfen, Kleidung wird zu kurz getragen", betonte auch AK-Konsumforscherin Nina Tröger.

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Es brauche Änderungen im Verhalten - ein Umdenken bei Produzentinnen und Produzenten, Händlerinnen und Händlern, aber auch Konsumentinnen und Konsumenten - und gesetzliche Regeln, forderten Greenpeace und die Arbeiterkammer (AK) bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Wien.

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Für die Erhebung, wie es in Österreichs Kleiderkästen aussieht, wurden 1.506 Personen vom Institut Integral befragt. Jeder Zweite kauft bei große Modeketten oder in Online-Shops. Für die meisten ist zwar lang tragbare und funktionelle Kleidung wichtig, doch die Realität sieht anders aus.

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Da ist vor allem der günstige Preis ausschlaggebend, vor allem aufgrund der derzeit herrschenden Teuerung. "Obwohl den Konsumentinnen und Konsumenten die Schattenseiten der Modebranche bewusst sind, sind oft ein günstiger Preis und Bequemlichkeit, Stichwort Online-Shoppen, bestimmend", sagte Tröger.

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Schnelle Mode für den Müll

Von den 1.506 befragten Personen kauft jede/r Zweite bei großen Modeketten (H&M, Zara) sowie bei Online-Riesen (Amazon, Shein) ein. Durchschnittlich besitzt jede/r der Befragten 100 Kleidungsstücke. 25 Prozent werden gelegentlich, 15 Prozent sehr selten und zwölf Prozent nie getragen. 48 Prozent werden laut Umfrage oft getragen.

"Die Trends von heute sind morgen schon wieder Müll“, kritisiert Lisa Panhuber die schnelllebige Modeindustrie.

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Für die meisten ist zwar lang tragbare und funktionelle Kleidung wichtig, doch die Realität sieht anders aus. Da ist vor allem der günstige Preis ausschlaggebend, vor allem aufgrund der derzeit herrschenden Teuerung. "Obwohl den Konsumentinnen und Konsumenten die Schattenseiten der Modebranche bewusst sind, sind oft ein günstiger Preis und Bequemlichkeit, Stichwort Online-Shoppen, bestimmend", sagte Tröger.

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Vier Fünftel der Befragten stimmten der Aussage zu, die Umwelt werde durch Kleiderüberproduktion massiv belastet (86 Prozent) und Fast Fashion sei ein großes Übel (81 Prozent). "In einer klimaverträglichen Welt kaufen wir nicht Wegwerfkleidung, sondern können in vielen Geschäften Second Hand-Kleidung kaufen, Mode ausleihen und reparieren", meinte Panhuber.

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Die Textilindustrie verursacht fünf bis zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Der Wasserverbrauch ist enorm. 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung gehe auf die Textilindustrie zurück. Arbeiter werden massiv ausgebeutet.

Nur drei Prozent Recycling

Nur der geringste Teil entsorgter Kleidung wird recycelt. Der größte Teil wird noch in den Ländern des Globalen Nordens verbrannt oder in den Globalen Süden exportiert und flutet dort die Textilmärkte, wird verbrannt oder landet im Müll, machte Panhuber aufmerksam.

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So wurden 2018 in Österreich 170.042 Tonnen Textilabfälle verbrannt und 41.000 Tonnen getragene Kleidung exportiert, aber nur 15.071 Tonnen recycelt. Weltweit wird jede Sekunde eine Lkw-Ladung an Kleidungsstücken verbrannt oder auf einer Mülldeponie entsorgt.

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Umdenken beim Konsum

AK und Greenpeace appellierten daher für ein Umdenken bei den Konsumenten, bei den Händlern und der Politik. Derzeit wird etwa ein nationales Vernichtungsverbot für neuwertige Textilien diskutiert. Dafür müsste es rasch einen Gesetzesentwurf dazu geben, sagten Tröger und Panhuber.

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Sie fordern auch eine Art Reparaturbonus für Kleidung. Für Reparaturdienstleistungen sowie Leih- und Sharingsysteme sollte es mehr Förderungen geben. Reparaturen müssen einfacher und billiger als ein Neukauf sein. Schon im Design sollen stärker umwelt- und klimaverträgliche Kriterien berücksichtigt werden - dazu brauche es auch eine rasche Umsetzung der Ökodesign-Verordnung und der Textil-Strategie.

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Durch ein EU-starkes Lieferkettengesetz müssen Hersteller und Händler die Stationen ihrer Lieferkette transparent offenlegen und für Menschenrechtsverletzungen, Gesundheitsschäden oder Umweltschäden in der Produktion haften. Der aktuelle Entwurf der EU-Kommission müsse demnach nachgebessert werden, auch mittelgroße Unternehmen erfassen und um stärkere Vorgaben für Klimaschutz ergänzt werden.

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Mehr Transparenz gefordert

Für die Konsumenten braucht es auch mehr Transparenz über Materialien und Herstellung der Produkte, zum Beispiel durch einen digitalen Produktpass und Gütezeichen, die unabhängig kontrolliert werden und besser als gesetzliche Mindeststandards sind. Weiters müsse der Gütezeichen-Dschungel durch ein neues Gütezeichen-System reduziert werden.

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Konzerne müssten einen Systemwandel einleiten. In allen Konsumgüterbranchen müssen Produktionszyklen entschleunigt und langlebigere und hochwertig recycelbare Produkte hergestellt werden. Diese Firmen müssen jetzt damit anfangen, Alternativen zum Neukauf anzubieten: Reparatur-Services, Second Hand sowie Angebote zum Mieten, Tauschen oder Teilen. Auch eine Standardisierung der Kleidungsgrößen würde den Online-Kauf erleichtern und Retouren verringern.

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