Wie gefährlich ist die Corona-Impfung für Schwangere?

Eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff schützt Mutter und Baby.
Eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff schützt Mutter und Baby.Getty Images
Viele Schwangere sind unschlüssig, ob sie sich gegen Corona impfen lassen sollen. Was dafür und was dagegen spricht - eine Ärztin klärt auf.

Das Nationale Impfgremium (NIG) hatte die Corona-Impfung zuletzt auch für Schwangere empfohlen und sie in der Priorität hochgestuft. Besonders zu mRNA-Impfstoffen - wie jener von BioNTech/Pfizer oder Moderna - wird geraten. Die Bedenken bei den Frauen sind groß - sowohl um die eigene Gesundheit als auch um die des Ungeborenen.

Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel & Gender Medicine Unit am Wiener AKH kann im Gespräch mit "Heute" diesbezüglich Entwarnung geben. Denn aus ein paar Erhebungen wisse man, dass die Impfung keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder den Hormonspiegel der Frauen habe. Auch bei Frauen, die eine In-vitro-Fertilisation hatten und davor geimpft wurden, gab es keine negativen Nebenwirkungen. Ebenso stellte sich keine erhöhte Fehlgeburten-Rate ein. 

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Die Entscheidung, ob sie sich impfen lässt oder nicht, ist jeder schwangeren Frau freigestellt. Bei der individuellen Risikoabschätzung sollte das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken (samt den potentiellen Auswirkungen auf das ungeborene Kind) gegen das Risiko von schweren Nebenwirkungen durch die Impfungabgewogen werden. Insbesondere Schwangere, die Vorerkrankungen haben oder ein erhöhtes Risiko, sich anzustecken, könne "nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung" ab dem vierten Monat eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/Pfizer) angeboten werden, sagt das deutsche Robert Koch-Institut (RKI).

Schutz für Mutter und Kind

Eine Studie, die im medizinischen Journal "The New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, untersuchte die Wirkung des BioNTech/Pfizer oder Moderna-Impfstoffes auf Schwangere. 3.958 schwangere Frauen wurden geimpft und befragt. Die Daten wurden verschiedenen Datenbanken entnommen, etwa dem Tool VAERS, das vermutete Impf-Nebenwirkungen dokumentiert.

Von den 3958 Teilnehmerinnen, hatten 827 eine abgeschlossene Schwangerschaft. Davon führten 115 (13,9 Prozent) zu einem Schwangerschaftsverlust und 712 (86,1 Prozent) zu einer Lebendgeburt (meistens bei Teilnehmern mit Impfung im dritten Trimester). Zu den unerwünschten Ereignissen gehörten Frühgeburten (9,4 Prozent) und eine zu geringe Größe für das Alter (bei 3,2 Prozent). Es wurden keine neonatalen Todesfälle (ab Geburt bis zum 28. Lebenstag) gemeldet.

Die berechneten Anteile unerwünschter Schwangerschafts- und Neugeborenen-Ereignisse bei Personen, die gegen Covid-19 geimpft wurden und eine abgeschlossene Schwangerschaft hatten, waren ähnlich zu Studien mit schwangeren Frauen vor der Covid-19-Pandemie. Unter 221 schwangerschaftsbezogenen unerwünschten Ereignissen war das am häufigsten gemeldete Ereignis ein spontaner Abgang (46 Fälle).

"Vorläufige Ergebnisse zeigten keine offensichtlichen Sicherheitssignale bei schwangeren Personen, die mRNA-Covid-19-Impfstoffe erhielten", heißt es in der Studie weiter. 

Erhöhtes Risiko für schweren Verlauf

Die Studienautoren weisen auch auf das erhöhte Risiko hin, das Schwangere in Bezug auf Covid-19 haben. Demnach sind Schwangere mit Covid-19 einem erhöhten Risiko für schwere Erkrankungen ausgesetzt: Etwa Einweisung auf eine Intensivstation, extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) oder mechanische Beatmung und Tod. Darüber hinaus könnten Schwangere mit Covid-19 im Vergleich zu Schwangeren ohne Covid-19 einem erhöhten Risiko für unerwünschte Schwangerschaftsausgänge, wie etwa Frühgeburten, ausgesetzt sein.

Keine Impfrückstände in Muttermilch

Laut dem Nationalen Impfgremium (NIG) lassen tierexperimentelle Studien nicht auf schädliche Wirkungen in Bezug auf Schwangerschaft, Entwicklung des Babys oder Geburt schließen. Das schreibt auch die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Bezüglich des Stillens heißt es in der Empfehlung des NIG: "Es ist nicht zu erwarten, dass mRNA-Impfstoffe oder Bestandteile desselben in die Muttermilch übertreten und sich daraus irgendein theoretisches Risiko ableiten ließe. (...) Dies ist auch bei Vektorimpfstoffen nicht zu erwarten." 

Hier lesen: mRNA-Impfstoff nicht in Muttermilch nachweisbar

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) empfiehlt in ihrer Stellungnahme von 29. April 2021, Schwangeren aufgrund des erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf die Corona-Impfung zu ermöglichen. Stillenden Frauen könne die Impfung empfohlen werden: "Durch die Impfung gebildete Antikörper gegen eine Infektion mit Sars-CoV2, welche durch die Muttermilch auf das Neugeborene übertragen werden, sind als potenziell schützend anzusehen." Das wird auch in der Studie zu mRNA-Impfungen bei Schwangeren beschrieben.

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