Im "Ö1-Mittagsjournal" hat Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) aufhorchen lassen. Die Ministerin warnte davor, dass Mädchen vor allem in den Sommerferien ins Ausland gebracht und dort zwangsverheiratet werden.
Seitens der Bundesregierung will man potenzielle Betroffene nun mit einer Broschüre auf das Thema aufmerksam machen. Sie soll an Brennpunktschulen verteilt werden aber auch auf der Homepage des Bundeskanzleramts ist sie abrufbar.
In der Broschüre wird den Mädchen erklärt, dass niemand sie zur Ehe zwingen, niemand ihren Körper verletzen oder beschneiden darf. Auch mögliche Warnzeichen für eine bevorstehende Zwangsehe werden erwähnt. Beispiele wären etwa das Kontrollieren des Handys und keine klaren Informationen über eine geplante Reise ins Ausland.
Betroffene sollen sich laut der Ministerin an Vertrauenspersonen wenden und nach Möglichkeit auch dort unterkommen. Zudem sollen Dokumente an einem sicheren Ort verwahrt werden. Des Weiteren sollen sich die Mädchen die Nummern von Beratungsstellen und Behörden einspeichern. Hilfe würden Frauenzentrum des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), die Frauenhelpline gegen Gewalt, Rat auf Draht und Gewaltschutzzentren anbieten.
In Österreich gilt die Zwangsehe als verboten – auch wenn sie im Ausland geschlossen wurde. Es drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Laut einer Schätzung könnten in Österreich etwa 200 Mädchen pro Jahr von einer Zwangsheirat betroffen sein, berichtet "Krone".
Motive seien demnach patriarchalische Familienstrukturen, wirtschaftliche und aufenthaltsrechtliche Gründe, die Aufrechterhaltung der Beziehung zum Herkunftsland und die Kontrolle der Sexualität sowie von unerwünschtem Verhalten.