"Heute" im Sperrgebiet

1 Tag beim Heer – was diese Kaserne so besonders macht

Im unscheinbaren Bruckneudorf im Burgenland werden auf einem Mega-Areal die Soldaten von morgen ausgebildet – "Heute" durfte reinschnuppern.
Leo Stempfl
27.06.2026, 12:21
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Als Redakteur sitzt man oft wochenlang nur am Schreibtisch: Berichtet über Kriege, Militär, Wehrpflicht-Debatten. Eine willkommene Abwechslung also, wenn das Bundesheer in die Benedek-Kaserne lädt, um hautnah Einblicke zu erhalten. Nur so viel erfährt man vorweg: Es kann schmutzig werden.

Der Übungsplatz Bruckneudorf im Burgenland wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch strategisch ist der Standort von enormer Bedeutung. In unmittelbarer Nähe verlaufen die A4 und die A6, die Ostbahn sowie der 380-KV-Ring, das Rückgrat der österreichischen Stromversorgung. 90 Prozent des Osthandels kommen hier vorbei, und als wäre das nicht genug, liegt im Luftraum darüber die Einflugschneise des Wiener Flughafens.

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41 Quadratkilometer ist er groß und seit den 1990er-Jahren Sperrgebiet – an Wochenenden und Feiertagen darf die Bevölkerung aber auf gewissen Rad- und Wanderwegen passieren. Rund 1.000 Soldaten, die Hälfte davon Miliz, werden hier für den Ernstfall ausgebildet. Die Hauptaufgaben hier sind Schießen, Essen, Schlafen, Instandsetzung.

Trockentraining

Seit vier Jahren gibt es einen fünf Millionen Euro teuren Schießsimulator, der dem Training von komplexen Situationen dient, wie man sie in der Realität nie nachbilden könnte. Gegner, Bewaffnung, Wind, Wetter, Licht – all das lässt sich mit wenigen Klicks anpassen. Bei virtuellen Einschlägen vibriert der Boden. Ausbilder können den Auszubildenden besseres Feedback geben.

Der Schießsimulator in Brucknudorf.
leo

Und heute schlüpfen auch Journalisten in diese Rolle. Jeder erhält erst einen Gürtelholster mit "Laser"-Glock P 80. Holstern, entsichern, laden, Kimme und Korn – am Beginn der Schnellausbildung steht die grundlegende Handhabung. Im Anschluss darf am Simulator auf virtuelle Zielscheiben geschlossen werden, was auf Anhieb überraschend treffsicher hinhaut.

Offroad-Tour im Pinzgauer

Kurz darauf geht es auch schon an die schweren Kaliber. Auch das StG77 gibt es in Laser-Ausführung. Der Grundwehrdienst liegt zwar schon neun Jahre zurück, doch die Griffe sitzen noch. Der Simulator ist übrigens nur die Vorbereitung für das, was am Nachmittag am Programm steht.

Nach einem Probe-Einsatz in der Gruppe am Gefechtssimulator geht es in den Speisesaal und im Anschluss auf den Bänken der offenen Ladefläche eines "Pinzgauer" durch das Gelände. Komplett von Staub bedeckt und atemberaubenden Aussichten auf den Neusiedlersee später kommt man bei einem verlassenen Sanitätszentrum an, in dem Szenarientraining stattfindet.

Staubige Pinzgauer-Fahrt.
leo

Vom Gebäudekampf zum Steinbruch

Auch wir Journalisten bekommen jetzt "scharfes Gerät": Eine Pistole und ein StG 77, die Farbmunition verschießen. In Zweier-Teams müssen wir daraufhin unter Musik- und Nebeleinfluss ein Gebäude stürmen, Räume durchsuchen und bewaffnete Puppen und Zielscheiben "eliminieren": Also mit drei Schuss FX-Munition bedienen. Reizüberflutung, Kommunikationsprobleme, Ladehemmungen – wir Amateure haben zwar ein paar Ziele mitgenommen, hätten es aber niemals lebend rausgeschafft.

Letzter Programmpunkt: das Abseilen an einer Steilwand. Denn Österreichs Soldaten sind für ihre Fähigkeiten im Gebirge weltbekannt. Dazu ging es wieder am Pinzgauer weiter zum "Blauen Bruch", einem Steinbruch, von dem das Material für Stephansdom und Ringstraße gewonnen wurde. Hier galt es sich, über eine Kante einen senkrechten Abhang hinab abzuseilen, was einiges an Überwindung kostete und nicht ohne Schürfwunden ablief.

Österreichs Soldaten sind für ihre Fähigkeiten im Gebirge weltbekannt.
leo

Schürfwunden gehen wieder weg, was bleibt: einmalige Eindrücke hinter den Kulissen eines der wichtigsten Standorte des Bundesheers.

{title && {title} } leo, {title && {title} } 27.06.2026, 12:21
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