Österreichs Stromkunden zahlen seit Monaten deutlich mehr als Deutschland. Damit soll jetzt Schluss sein – oder zumindest ein großer Schritt in diese Richtung gelingen.
Eine neue Deutschlandleitung soll künftig mehr günstigen Strom aus dem Norden nach Österreich bringen. Konkret wird beim Umspannwerk St. Peter am Hart in Oberösterreich aufgerüstet: Eine bestehende 220-kV-Infrastruktur wird durch eine leistungsstarke 380-kV-Leitung ersetzt.
Der Effekt ist gewaltig: Die Kapazität steigt von 800 Megawatt auf rund 6.000 Megawatt. Damit kann deutlich mehr Strom zwischen Deutschland und Österreich fließen.
„Unser Ziel ist es, den Strompreisunterschied zu Deutschland zu beenden – allein im vergangenen Winter waren es 21 Euro pro Megawattstunde.“Wolfgang HattmannsdorferEnergieminister (ÖVP)
Eine Berechnung der Austrian Power Grid (APG) im Auftrag des Energieministeriums zeigt nun: Wäre die Leitung im Winterhalbjahr 2025/26 bereits in Betrieb gewesen, hätten sich die Mehrkosten durch den Preisunterschied zu Deutschland um 240 bis 375 Millionen Euro verringert.
Dem steht eine Investition von rund 100 Millionen Euro gegenüber. Für Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) ist das ein klarer Fall: "Unser Ziel ist es, den Strompreisunterschied zu Deutschland zu beenden – allein im vergangenen Winter waren es 21 Euro pro Megawattstunde."
Mit der Deutschlandleitung hole man günstigen Strom aus Deutschland nach Österreich und senke so die Strompreise für Haushalte und Betriebe, so der Minister. "Dafür investieren wir jetzt 100 Millionen Euro und sparen damit 375 Millionen Euro an Stromkosten – ein guter Business Case für Haushalte und Betriebe."
Der Preisunterschied war zuletzt massiv: Im Winterhalbjahr 2025/26 lag der österreichische Großhandelspreis bei rund 118 Euro pro Megawattstunde. In Deutschland waren es rund 97 Euro. Macht: 21 Euro Differenz pro Megawattstunde.
In 93 Prozent der Stunden war Österreich preislich von Deutschland abgekoppelt. Allein dieser Unterschied verursachte laut Berechnung rund 600 Millionen Euro Mehrkosten.
„Jeder Euro in den Netzausbau zahlt sich für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit aus.“Gerhard ChristinerVorstand Austrian Power Grid (APG)
APG-Chef Gerhard Christiner erklärt das so: "Das österreichische Stromsystem ist eng mit dem europäischen Markt verbunden. Reichen die Leitungskapazitäten nicht aus, kommt günstiger Strom aus dem Norden nur begrenzt bei den Kunden an."
Die neue Leitung erhöhe die Importkapazität, binde Österreichs Speicherkraftwerke besser ein und dämpfe Preisspitzen. "Jeder Euro in den Netzausbau zahlt sich für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit aus", betont Christiner.
Wichtig: Die Leitung wirkt in beide Richtungen. Windstrom aus Deutschland kann zu den Speicherkraftwerken in den Alpen fließen. Umgekehrt kann österreichischer Wasserstrom dann genutzt werden, wenn Wind und Sonne fehlen.
Die Deutschlandleitung soll ab April 2027 schrittweise in Betrieb gehen. Bis Dezember 2027 soll der Ausbau abgeschlossen sein.