Jetzt wird bei der Energiewende nachgeschärft. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) wollen die Förderung für erneuerbare Energie neu ausrichten.
Künftig soll nicht mehr nur zählen, wie viel grüner Strom produziert wird – sondern auch, ob er zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist.
Hintergrund ist der massive Umbau des Energiesystems. Der Stromverbrauch ist 2025 um knapp zwei Prozent gestiegen, die Photovoltaik legte gleichzeitig um 21 Prozent zu. Doch genau das bringt neue Probleme: An sonnigen Tagen kommt teils so viel Sonnenstrom ins Netz, dass die Strompreise ins Negative drehen. Am 1. Mai 2026 fiel der Strompreis stundenweise sogar auf minus 500 Euro pro Megawattstunde.
Wenn die Menge an eingespeistem Strom nicht mit der geplanten zusammenpasst, entstehen Ausgleichskostgene. Diese dürfte deutlich steigen: von rund 15 Millionen Euro im Jahr 2025 auf prognostizierte fast 60 Millionen im Jahr 2026. Allein am ersten Mai-Wochenende wurden nach ersten Einschätzungen Kosten von über fünf Millionen Euro verzeichnet.
„Entscheidend ist, ob der Strom zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zu leistbaren Kosten verfügbar ist.“Wolfgang HattmannsdorferWirtschafts- und Energieminister (ÖVP)
"Die zentrale Frage in der Energiepolitik lautet heute nicht mehr nur, wie viel Strom wir ausbauen. Entscheidend ist, ob dieser Strom zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zu leistbaren Kosten verfügbar ist", sagt Hattmannsdorfer. Deshalb stelle man die Energiewende jetzt auf eine neue Grundlage: mehr heimische Produktion, mehr Speicher, mehr Systemdienlichkeit und mehr Tempo.
Auch Zehetner sieht eine neue Phase erreicht. "Die zweite Etappe der Energiewende beginnt jetzt. Der Ausbau der Erneuerbaren geht voran, aber ein modernes Energiesystem darf nicht nur darauf ausgelegt sein, möglichst viel Strom zu erzeugen. Es muss diesen Strom auch speichern, steuern und dann leistbar verfügbar machen, wenn Haushalte, Betriebe und Industrie ihn brauchen."
„Die zweite Etappe der Energiewende beginnt jetzt.“Elisabeth ZehetnerEnergie-Staatssekretärin (ÖVP)
Konkret sollen Speicher stärker gefördert werden. Bisher wurden viele Batterien gemeinsam mit PV-Anlagen unterstützt. Künftig soll vor allem zählen, ob ein Speicher dem Stromsystem nützt. Dafür soll er in ein Energiemanagementsystem eingebunden sein.
Die Nachfrage ist enorm: 2025 wurden rund 110 Millionen Euro an Speicherförderungen vergeben, nach 32 Millionen Euro im Jahr davor. Die geförderte Speicherkapazität stieg von 212 auf 736 Megawattstunden. Beim aktuellen Fördercall waren ursprünglich 40 Millionen Euro vorgesehen, beantragt wurden aber rund 135 Millionen Euro.
Deshalb werden weitere 30 Millionen Euro aus Restmitteln freigegeben. Damit stehen insgesamt 70 Millionen Euro für PV- und Speicherlösungen zur Verfügung. Von 16. bis 30. Juni folgt ein zweiter Fördercall mit weiteren 12 Millionen Euro.
Dazu kommt ein neuer "Made in Europe"-Schwerpunkt. Bei PV-Förderungen soll künftig eine Pflicht für europäische Wechselrichter kommen. Damit will die Regierung europäische Produktion, heimische Wertschöpfung und technische Unabhängigkeit stärken.
Zudem will die Koalition bei der Energiewende aufs Tempo drücken. Gerade Windkraft-, Netz- und größere Energieprojekte dauern in Österreich oft fünf bis zehn Jahre bis zur Umsetzung, häufig länger als der eigentliche Bau. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz – für das es im Nationalrat eine Zweidrittelmehrheit, also die Stimmen von Grünen und/oder FPÖ braucht – sollen Verfahren gebündelt, Doppelgleisigkeiten reduziert und Projekte schneller umgesetzt werden.