Die Kopftuchdebatte in Österreich flammt erneut auf. Während das Verbot für Schülerinnen unter 14 Jahren mit September in Kraft treten soll, sorgt aktuell ein Bescheid der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) für Aufregung.
Laut einem Feststellungsbescheid aus dem Jahr 2019, der aus einem Gerichtsakt stammt und der "Kronen Zeitung" vorliegt, wird das Tragen des Kopftuchs als religiöse Verpflichtung beschrieben. In dem Dokument heißt es wörtlich: "Das Tragen des Kopftuchs erfordert eine Verhüllung des gesamten Körpers mit Ausnahme der Hände bis zum Handgelenk und dem Gesicht." Demnach seien auch Haare, Hals und Nacken von dieser Bekleidungsvorschrift umfasst und ein "untrennbarer Teil" derselben.
Besonders brisant ist eine Passage zum Alter der Betroffenen. Laut Bescheid gelte die Verpflichtung nach dieser Lehre ab Vollendung des neunten Lebensjahres. Nach dem islamischen Mondkalender sei dies bereits "mit einem Alter von 8 Jahren, acht Monaten und rund 23 Tagen erforderlich", zitiert die "Krone" aus dem Schreiben. Unterzeichnet wurde der Bescheid unter anderem von IGGÖ-Präsident Ümit Vural.
Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) reagiert im Gespräch mit "Heute" empört über die bekannt gewordenen Passagen. "Ich kann nur hoffen, dass es sich bei diesem Schreiben um ein veraltetes Dokument handelt." In einem Satz werde gesagt, dass das Kopftuch freiwillig sei, in einem anderen werde festgehalten, dass die einzig wahre religiöse Instanz ein Kopftuch für Mädchen ab 8 Jahren vorschreibe. Bauer: "Das ist ganz klar Kopftuchzwang für Mädchen ab 8 Jahren durch die Hintertür."
Die Ministerin hält fest: "Ein 8-jähriges Mädchen gehört nicht unter einem Stück Stoff versteckt, ein 8-jähriges Mädchen muss einfach Kind sein dürfen." Das Kopftuch sei kein harmloses Stück Stoff, "sondern ein Zeichen der Unterdrückung und ein Mittel der Kontrolle von Mädchen ab dem frühen Kindesalter", so Bauer.
"Ich will, dass Mädchen selbstbestimmt und sichtbar aufwachsen können“, betont die VP-Ministerin. Genau deshalb habe man sich für ein Kinderkopftuchverbot entschieden.