Sparpläne verfassungswidrig?

Millionen-Kürzung geplant – ORF droht jetzt mit Klage

Der ORF warnt vor den Folgen der geplanten Sparmaßnahmen. Die Kürzungen könnten den Sender massiv treffen – sogar eine Klage steht im Raum.
Newsdesk Heute
03.06.2026, 17:08
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Trotz der laufenden Debatte um die künftige ORF-Führung und zahlreicher Schlagzeilen rund um den Sender bemüht sich die ORF-Spitze um Beruhigung. Bei einer Sitzung des Publikumsrats verteidigten Generaldirektorin Ingrid Thurnher und Vorsitzende Gabriele Zgubic-Engleder die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und warnten vor politischen Eingriffen.

Zgubic-Engleder kritisierte zu Beginn der Sitzung den Ton in der öffentlichen Debatte. Sie sprach von "grenzüberschreitenden, teils diffamierenden" Aussagen und wandte sich unter anderem gegen die Bezeichnung "Gremium des Grauens" für den ORF-Stiftungsrat.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Es brauche eine "Abrüstung der Worte", mehr Sachlichkeit und Respekt, betonte die Vorsitzende. Die Politik solle sich nicht länger einmischen. "Wir sind unabhängig und wissen, was wir zu tun haben", sagte Zgubic-Engleder. Pauschale Diffamierungen seien "ausdrücklich zurückzuweisen". Der Eindruck, im ORF gehe es "drunter und drüber", entspreche nicht der Realität.

Auch ORF-Generaldirektorin Thurnher stellte sich hinter die Mitarbeiter des Senders. Die zuletzt vielfach diskutierten "ORF-Skandale" würden ein falsches Bild vermitteln. 99 Prozent der Beschäftigten würden sich "jeden Tag für das Publikum und Programm den Arsch aufreißen".

"Massive Baustellen" beim ORF

Die besten TV-Quoten im Mai seit zehn Jahren sowie der erfolgreich abgewickelte Eurovision Song Contest würden belegen, dass "wir nicht vor dem Untergang stehen", sagte Thurnher. "Der ORF funktioniert für sein Publikum, er ist relevant, schafft gemeinsame Momente, bewegt und informiert."

Gleichzeitig räumte die Generaldirektorin ein, dass es auch "massive Baustellen" gebe. So werde derzeit intensiv an Compliance-Prüfungen gearbeitet. Der von ihr eingesetzte Transparenzbeirat soll Mitte Juni einen Abschlussbericht vorlegen.

Auch zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei Produktionen auf ORF III laufen Untersuchungen. Jede Produktion des Senders werde derzeit mit ihr abgestimmt, erklärte Thurnher. Einige Fälle lägen weit zurück und müssten aufwendig rekonstruiert werden. Ein Bericht könnte in den kommenden Wochen vorliegen.

Sparpläne könnten verfassungswidrig sein

Große Sorgen bereiten dem ORF zudem die von der Bundesregierung geplanten Einsparungen. Laut Thurnher würden die zusätzlichen Kürzungen in Höhe von 80 bis 90 Millionen Euro den Sender "massiv treffen".

"Diese Sparpläne werden uns massiv treffen. Die werden wir alle und das Publikum spüren", warnte die ORF-Chefin. Juristische Gutachten würden zudem darauf hindeuten, dass die Kürzungen möglicherweise verfassungswidrig sein könnten. Sollte dies zutreffen, schließt der ORF rechtliche Schritte nicht aus. "Im Falle des Falles" erwäge man eine Klage, kündigte Thurnher an.

Zwar müsse der ORF einen Teil der Einsparungen akzeptieren, weil in vielen Bereichen des Landes gekürzt werde. Dennoch habe man versucht, mehr Zeit für die Umsetzung zu erhalten. Aktuell bereite sich der Sender jedoch bereits auf Einschnitte im kommenden Jahr vor.

Reserven würden aufgelöst und mögliche Anpassungen im Programm geprüft. "Wir müssen Bereiche definieren, an denen nicht gerüttelt werden darf, weil sie unsere Existenz bedeuten", sagte Thurnher. Einsparungen könnten hingegen bei der "Verzierung außen rum" erfolgen.

Quizformate vor dem Aus

Zuletzt war über mögliche Kürzungen bei mehreren Quizformaten berichtet worden. Thurnher sprach sich jedoch für eine sachliche Diskussion über das Programm aus und warnte davor, einzelne Sendungen vorschnell zum Symbol der Sparmaßnahmen zu machen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 03.06.2026, 17:08
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen