Nach einem zunächst weitgehend friedlichen Start der landesweiten Proteste in Frankreich spitzt sich die Lage am Samstagnachmittag (31. Oktober) dramatisch zu. In Paris explodieren Feuerwerkskörper, Polizisten werden von Flammen erfasst. Fernsehbilder des französischen Nachrichtensenders BFMTV zeigen die gefährlichen Szenen.
Auch in anderen französischen Städten kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften. Die Polizei setzt Tränengas ein.
Besonders angespannt ist die Situation in der französischen Hauptstadt. Dort hatten sich am Samstag Zehntausende Menschen an den Protesten beteiligt.
Die Lage verschärfte sich am späten Nachmittag, als der Demonstrationszug sein Ziel an der Porte de Charenton am Pariser Stadtrand erreichte.
Nach Medienberichten forderten Spezialeinheiten der Polizei die Menschen auf, den Bereich zu verlassen. Doch die Auflösung der Versammlung kam nur schleppend voran.
Plötzlich waren Explosionen von Feuerwerkskörpern zu hören. Bilder des Fernsehsenders BFMTV zeigten, wie Einsatzkräfte von Flammen erfasst wurden.
Ob die betroffenen Polizisten dabei Verletzungen erlitten, war zunächst nicht bekannt. Auch die genaue Ursache der Flammen war vorerst unklar.
Dabei hatte der Protesttag zunächst vergleichsweise ruhig begonnen. Noch vor der Eskalation erklärte der Pariser Polizeipräfekt Patrice Faure im Sender BFMTV, dass die Demonstration offenbar reibungslos verlaufe. Das änderte sich im Laufe des Nachmittags.
Nach Angaben des französischen Innenministeriums beteiligten sich landesweit rund 320.000 Menschen an den Demonstrationen. Allein in Paris wurden etwa 70.000 Teilnehmer gezählt.
Die Proteste richten sich unter anderem gegen die hohen Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungswesen. Viele Teilnehmer sind junge Menschen, die Veränderungen in Politik und Gesellschaft fordern.
Nicht nur in Paris mussten Sicherheitskräfte einschreiten. Auch in Lyon kam es am späten Nachmittag zu Spannungen. Französischen Medienberichten zufolge setzte die Polizei dort ebenfalls Tränengas ein. In Marseille waren brennende Gegenstände auf den Straßen zu sehen. Feuerwehrkräfte mussten ausrücken.
Weitere Auseinandersetzungen wurden aus Rennes und Toulouse gemeldet. In Rennes wurden nach Angaben der zuständigen Präfektur Gegenstände auf Polizisten geworfen. Auch dort verschärfte sich die Lage im Umfeld der Demonstrationen.
Die französischen Behörden hatten sich auf einen schwierigen Protesttag vorbereitet. Landesweit waren rund 70.000 Polizisten und Gendarmen mobilisiert worden. Hintergrund waren unter anderem gewaltsame Ausschreitungen bei früheren Protesten sowie die Sorge vor zusätzlichen Zwischenfällen in der Halloween-Nacht.
In Paris war die Demonstrationsroute aus Sicherheitsgründen an den Stadtrand verlegt worden. Die Behörden wollten dadurch verhindern, dass es im Zentrum der Hauptstadt erneut zu schweren Ausschreitungen kommt. Trotz der Zwischenfälle blieb der überwiegende Teil der landesweiten Demonstrationen friedlich.
Parallel dazu kam es am Samstag auch bei den "Gen Z regelt"-Protesten in Deutschland zu Zwischenfällen. In Köln hatten sich zunächst Tausende Menschen friedlich versammelt. Für die Kundgebung waren rund 15.000 Teilnehmer angemeldet. Nach Störungen durch teilweise Vermummte und Pyrotechnik wurde der geplante Demonstrationszug gestoppt. Die Organisatoren beendeten die Kundgebung friedlich.
Danach kam es laut FOCUS online zu weiteren Ausschreitungen: Böller flogen, Rauch stieg auf und die Polizei ordnete den Einsatz von Wasserwerfern an. Ein Reporter beobachtete mindestens eine blutende Frau. Die Veranstalter distanzieren sich ausdrücklich von Gewalt.
In Frankreich bleibt die Situation angespannt. Vor allem die Ereignisse in Paris zeigen, wie schnell sich die Lage am Rande großer Demonstrationen verändern kann.
Während Hunderttausende ihre Anliegen friedlich auf die Straße tragen, muss die Polizei in mehreren Städten gegen gewaltsame Zwischenfälle vorgehen.
Wie viele Menschen bei den Ausschreitungen verletzt wurden und ob die in Paris von Flammen erfassten Polizisten unversehrt blieben, war zunächst noch offen.