Brennende Autos, Rauchschwaden und randalierende Demonstranten – und mittendrin eine Reisegruppe, die brav ihrer Stadtführerin folgt. Ein satirisches KI-Video über die jüngsten Unruhen in Frankreich erobert derzeit die sozialen Netzwerke. Die Botschaft: Selbst wenn Paris im Chaos versinkt, geht die Sightseeing-Tour munter weiter.
Hinter dem rund 80 Sekunden langen Film steckt der niederländische Filmemacher Wytse Koetse. Er verwandelt die angespannte Situation in Frankreich in einen völlig überdrehten Werbespot für eine erfundene Stadtrundfahrt. Das Besondere: Sämtliche Szenen wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
Zu Beginn begrüßt eine freundliche Reiseleiterin eine Gruppe asiatischer Touristen. Hinter ihr sind bereits Flammen und Rauch zu sehen, doch davon lässt sich die Frau nicht beeindrucken.
Sie führt ihre Gäste durch eine völlig verwüstete französische Hauptstadt. Während vermummte Personen randalieren, Gegenstände brennen und ein Hubschrauber über den Straßen kreist, erklärt sie begeistert die Sehenswürdigkeiten.
Auf dem Programm steht unter anderem die Place de la Bastille. Umgeben von Rauch und brennenden Barrikaden fordert die Reiseleiterin ihre Gäste auf, schön zusammenzubleiben. Den Heli-Abwind im beißenden Rauch verkauft sie kurzerhand als frische Luft.
Auch vor dem Louvre macht die Gruppe Halt. Dort präsentiert die Reiseleiterin ihren Gästen voller Begeisterung den Platz, an dem normalerweise die berühmte Mona Lisa hängt. Im KI-Video ist davon allerdings nichts mehr zu sehen. Statt des weltbekannten Gemäldes zeigt die Wand nur noch einen leeren Platz.
Besonders kurios wird es bei einem Besuch in einem Pariser Café. Während im Hintergrund Flammen lodern, schwärmt die Reiseleiterin von einem Viertel, das für seine intellektuellen Gespräche bekannt sei.
Die Touristen wirken zunehmend verstört, ihre Gesichter völlig rußgeschwärzt während die chaotische Besichtigungstour weitergeht.
Im weiteren Verlauf zeigt der Film eine völlig überzeichnete Version der französischen Hauptstadt. Rauch steigt zwischen den Häusern auf, Feuer breiten sich aus und auch die Umgebung weltberühmter Sehenswürdigkeiten bleibt nicht verschont.
Die Reiseleiterin präsentiert schließlich einen Panoramablick über das verwüstete Paris – und preist ihn als besonders schöne Aussicht an. Zum Abschluss wünscht sie ihren Gästen noch einen angenehmen Aufenthalt. Dann erscheint der vermeintliche Reiseveranstalter "Paris City Tours" im Bild.
Koetse kommentiert sein Werk mit den Worten: "Planen Sie eine Reise nach Paris? Gute Nachrichten! Paris City Tours bietet jetzt 50 % Rabatt an."
Der ungewöhnliche Film verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit auf mehreren Plattformen. Laut der französischen Zeitung "Le Figaro" erreichte der Clip auf X innerhalb von 24 Stunden rund drei Millionen Aufrufe. Inspiriert wurde Koetse demnach von echten Bildern einer Reiseleiterin, die trotz der Unruhen gut gelaunt ihre Stadtführung fortsetzte.
Der Filmemacher trieb diesen Gegensatz bewusst ins Extreme: Je schlimmer das Chaos im Hintergrund wird, desto unerschütterlicher bleibt die Begeisterung seiner Reiseleiterin.
Für sein Projekt setzte Koetse mehrere KI-Werkzeuge ein. Die Bilder entstanden unter anderem mit GPT Image 2.5 und Googles Nano Banana 2.1. Anschließend verwandelte er die Motive mithilfe des Videomodells Seedance 2.5 in bewegte Szenen. Selbst die Musik wurde künstlich erzeugt, nämlich mit Suno v6.
Wichtig: Das Video ist ausdrücklich als überzeichnete KI-Satire gekennzeichnet. Die brennenden Sehenswürdigkeiten, die verwüsteten Straßen und die dargestellten Touristen sind keine echten Aufnahmen – auch wenn die richtigen Fotos aus der französischen Hauptstadt nicht weniger schockierend sind.
Die Vorlage für die Satire lieferten die jüngsten Ausschreitungen in Frankreich. Bei Protesten gegen steigende Lebenshaltungskosten und Missstände bei öffentlichen Dienstleistungen kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen, Bränden und Plünderungen.
Allerdings überzeichnet Koetse die Lage bewusst. Sein Film ist weder eine Dokumentation der tatsächlichen Zustände in Paris noch ein Beleg dafür, dass Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm oder der Louvre zerstört wurden.
Gerade dieser Kontrast macht den Clip aus: Eine touristische Werbewelt voller guter Laune trifft auf eine künstlich erschaffene Katastrophenlandschaft. Und die Reiseleiterin? Die würde ihre Stadtrundfahrt vermutlich selbst dann noch fortsetzen, wenn hinter ihr die ganze Stadt in Flammen steht.