Nach schweren Krawallen

Ausgangssperren in Frankreich zeigen erste Wirkung

Nach den schweren Ausschreitungen der vergangenen Tage blieb es in Frankreich Montagnacht erstmals ruhig. Auch Demo-Verbote wurden verhängt.
20.10.2026, 11:02
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Nach einem Wochenende voller Gewalt, Plünderungen und brennender Gebäude hat Frankreich mit nächtlichen Ausgangssperren auf die massiven Ausschreitungen reagiert. In der Nacht von Montag auf Dienstag galten in mehreren Großstädten strenge Beschränkungen.

Die erste Bilanz fällt positiv aus: Die Nacht verlief weitgehend ruhig, größere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

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Premierminister Sébastien Lecornu sieht darin einen ersten Erfolg. Die gezielten Ausgangssperren hätten dazu beigetragen, die Lage in der Nacht zu beruhigen, erklärte er am Dienstag auf der Plattform X.

Paris und Lyon besonders streng

Besonders streng waren die Maßnahmen in der Hauptstadt Paris. Dort durften sich zwischen 23 Uhr und 6 Uhr früh keine Menschen auf der Place de la République und im Einkaufsviertel Châtelet-Les Halles aufhalten. Die Ausgangssperre galt für sämtliche Altersgruppen. Beide Gebiete waren am Wochenende Schauplätze schwerer Ausschreitungen und Plünderungen gewesen. Bereits ab 20 Uhr waren dort Versammlungen verboten.

Auch in Lyon griffen die Behörden durch. In Teilen des Stadtzentrums galt von 21 Uhr bis 6 Uhr eine Ausgangssperre für Menschen aller Altersgruppen. Zusätzlich waren ab 18 Uhr Versammlungen in bestimmten Bereichen untersagt. In der Stadt war am Wochenende ein Tourismusbüro in Brand gesteckt worden.

Ausgangssperren nur für Jugendliche

In weiteren Städten beschränkten sich die Maßnahmen hingegen auf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die ohne erwachsene Begleitung unterwegs waren.

So durften in Nizza Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre zwischen 21 Uhr und 6 Uhr nicht ohne erwachsene Begleitung in bestimmten Bereichen des Stadtzentrums unterwegs sein. Die Regelung soll bis zum 25. Oktober gelten.

In Lille sowie in den nordfranzösischen Städten Douai, Wattignies und Denain galt ebenfalls eine Ausgangssperre für unbegleitete Minderjährige unter 18 Jahren. In bestimmten Stadtteilen durften Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre von 20 Uhr bis 6 Uhr früh nicht ohne erwachsene Begleitung auf die Straße. Die Maßnahme wurde zunächst für zwei Nächte angeordnet.

Auch in Marseille griffen die Behörden nach schweren Ausschreitungen durch. Dort waren am Montag zwischen 12 und 20 Uhr sämtliche Demonstrationen und öffentlichen Versammlungen verboten. Eine nächtliche Ausgangssperre wie in Paris oder Lyon wurde hingegen nicht bestätigt.

Verlängerung der Maßnahmen angedacht

Die Regierung hält auch in den kommenden Nächten an der Möglichkeit von Ausgangssperren fest. Premier Lecornu kündigte an, dass die örtlichen Behörden bereits für die Nacht auf Mittwoch weitere Beschränkungen verhängen könnten, wo dies notwendig sei.

Ob die Verbote allein für die Entspannung verantwortlich waren, lässt sich allerdings noch nicht sagen. Die Regierung betrachtet sie jedenfalls als wichtiges Mittel, um weitere Gewaltausbrüche und Plünderungen zu verhindern.

Lecornu kündigte bereits an, dass auch in der Nacht auf Mittwoch weitere Ausgangssperren verhängt werden könnten, wo dies notwendig sei.

Neue Proteste am Samstag

Hintergrund der Maßnahmen sind die schweren Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende. Ursprünglich hatten Schüler gegen schlechte Bedingungen an Schulen und fehlende Investitionen demonstriert. Inzwischen richtet sich der Protest auch gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die Politik von Präsident Emmanuel Macron.

Bei den Krawallen wurden landesweit Tausende Geschäfte beschädigt oder verwüstet. Tausende Menschen wurden festgenommen. Die Regierung steht unter Druck, weil die Polizei in mehreren Städten die Kontrolle über die Lage verloren hatte.

Die Ruhe könnte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Studentenorganisationen und Gruppen der Gelbwestenbewegung haben bereits zu neuen Protesten am kommenden Samstag (24. Oktober) aufgerufen.

Frankreich steht damit vor der nächsten Bewährungsprobe. Ob die Ausgangssperren auch bei neuen Massenprotesten für Ruhe sorgen können, bleibt offen.

NW, 20.10.2026, 11:02
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