Tragödie in Spanien

Zugunglück mit 69 Toten – Angehörige warten verzweifelt

Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien sind erst 36 der 69 Todesopfer identifiziert. Zahlreiche Angehörige warten weiter auf Gewissheit.
31.10.2026, 18:11
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Nach dem verheerenden Zugsunglück in Spanien warten zahlreiche Familien noch immer auf Gewissheit. Drei Tage nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda sind noch immer zahlreiche Todesopfer nicht identifiziert.

Wie die Behörden der Region Kastilien-La Mancha am Samstag mitteilten, wurden inzwischen alle 69 geborgenen Leichen im Gerichtsmedizinischen Institut in Toledo obduziert.

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Bei 36 Verstorbenen konnte die Identität zweifelsfrei festgestellt werden. Die Angehörigen von 27 Todesopfern wurden bereits verständigt. Um die Identifizierung der übrigen Opfer voranzutreiben, riefen die Behörden Familien vermisster Personen dazu auf, DNA-Proben abzugeben.

Psychologen betreuen Angehörige

Rund 50 Angehörige und Freunde halten sich weiterhin in einem Betreuungszentrum in Toledo auf. Sie hoffen dort auf Informationen über das Schicksal ihrer vermissten Familienmitglieder und Bekannten. Laut Berichten der spanischen Zeitung "El País" und weiterer Medien stehen ihnen knapp 30 Psychologen zur Seite.

Die Katastrophe ereignete sich am Mittwoch rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr nahe Urda von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Die Bahnverbindung zwischen Madrid und Andalusien ist seit dem Unglück in beiden Fahrtrichtungen gesperrt.

15 Verletzte auf Intensivstation

Neben den 69 Todesopfern wurden bei dem Zusammenstoß rund 200 Menschen verletzt. 34 von ihnen befinden sich weiterhin in vier Krankenhäusern. 15 Patienten müssen auf Intensivstationen behandelt werden.

Der Regionalpräsident von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, äußerte sich vorsichtig positiv über die gesundheitliche Entwicklung der Verletzten. Ihr Zustand entwickle sich "relativ gut". Ob sich unter den Todesopfern oder Verletzten auch deutsche Staatsbürger befinden, ist derzeit nicht bekannt.

Funkmitschnitte werfen Fragen auf

Unterdessen laufen die Ermittlungen zur Ursache des schweren Zugunglücks. Besonders im Fokus stehen der Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehler in der Bahnleitstelle in Madrid.

Von Medien veröffentlichte Funkaufnahmen deuten darauf hin, dass ein Mitarbeiter der Leitstelle den Lokführer des Renfe-Zuges angewiesen haben könnte, den regulären Betrieb wieder aufzunehmen.

Zu diesem Zeitpunkt soll das LZB-System allerdings noch nicht funktioniert haben. Zudem befand sich der andere Zug offenbar weiterhin auf der Strecke. Ob diese Umstände tatsächlich zum Zusammenstoß führten, müssen die Ermittlungen klären.

Verkehrsminister lehnt Rücktritt ab

Das Unglück hat inzwischen auch eine politische Debatte über die Sicherheit des spanischen Bahnverkehrs ausgelöst. Verkehrsminister Óscar Puente steht wegen der Katastrophe unter Druck. Mehrere Oppositionsparteien verlangen seinen Rücktritt.

Der Minister weist die Kritik an der Sicherheit des Bahnsystems jedoch zurück und will im Amt bleiben. Am Dienstag soll Puente vor einem Parlamentsausschuss zu dem Unglück Stellung nehmen.

Ministerpräsident Pedro Sánchez stellte unterdessen zusätzliche Investitionen zur Verbesserung der Bahnsicherheit in Aussicht. Die Regierung wolle die Ursachen aufklären und Maßnahmen entwickeln, um vergleichbare Unglücke künftig zu verhindern.

red, 31.10.2026, 18:17