Der Fund am Unterboden eines Feuerwehrfahrzeugs brachte die Ermittler nach mehr als zwei Wochen auf eine entscheidende Spur. Nach dem Tod eines 20-Jährigen in Traundorf im Bezirk Völkermarkt hat ein Pensionist zugegeben, mit einem Mercedes Sprinter über den reglos auf der Straße liegenden Mann gefahren zu sein. Danach setzte er seine Fahrt fort.
Trotz des Geständnisses ist der genaue Unfallhergang weiterhin offen. Die Ermittler prüfen auch, ob noch ein weiteres Fahrzeug beteiligt gewesen sein könnte.
Der 20-Jährige aus Bleiburg war am 9. August gegen 4.30 Uhr auf der Bleiburger Straße in Traundorf tödlich verunglückt. Er starb noch an der Unfallstelle.
In den folgenden zwei Wochen gingen mehr als 40 Hinweise bei der Polizei ein. Schließlich rückte ein Feuerwehrfahrzeug in den Fokus der Ermittler. Eine Zeugin hatte einen solchen Wagen in der betreffenden Nacht in der Nähe des Unfallortes gesehen. Später bemerkte sie das Fahrzeug erneut, als die Unfallstelle abgesichert wurde.
Die Spur führte die Beamten am Montag zu einer Freiwilligen Feuerwehr im Bezirk Völkermarkt. Dort wurde ein Mercedes Sprinter untersucht. Äußerlich waren zunächst keine Beschädigungen zu erkennen.
Bei der genaueren Untersuchung machte die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes jedoch einen wichtigen Fund. Am Unterboden des Feuerwehrfahrzeugs wurden Gewebeteile sichergestellt.
"Mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um menschliches Gewebe", teilte die Polizei mit.
Der infrage kommende Lenker konnte daraufhin rasch ausgeforscht und einvernommen werden. Zunächst bestritt der Pensionist eine Beteiligung, später gestand er die Fahrt.
Er gab an, in der Unfallnacht "einen reglosen menschlichen Körper, der mitten auf der Straße gelegen" sei, mit dem Fahrzeug überrollt zu haben. Der Mann sei alleine im Fahrzeug gewesen.
Nach dem Zusammenstoß sei er "völlig geschockt" weitergefahren. Später kehrte der Pensionist allerdings zur Unfallstelle zurück und half dort bei der Absicherung.
Hinweise auf eine Alkoholisierung des Lenkers lagen laut Polizei zunächst nicht vor. Weitere persönliche Details zum Beschuldigten wurden nicht bekannt gegeben.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann den 20-Jährigen nicht nur überrollt, sondern zuvor auch angefahren hat. "Wir ermitteln wegen grob fahrlässiger Tötung", erklärt Staatsanwaltschaftssprecher Christian Pirker gegenüber "Heute".
Festgenommen wurde der Pensionist nicht. Laut Pirker bestehe keine Tatbegehungs-, Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr.
Mehrere entscheidende Fragen müssen noch durch Gutachten beantwortet werden. "Das Gutachten der Gerichtsmedizin steht noch aus", stellt Pirker klar. Ein Kfz-Gutachten wurde ebenfalls angefordert – auch hier wartet man noch auf das Ergebnis.
Auch eine mögliche Beteiligung weiterer Fahrzeuge wird untersucht. Dafür werden unter anderem Metallteile geprüft, die am Unfallort gefunden wurden. Zudem soll der Pensionist noch ausführlich einvernommen werden.
Ob der Beschuldigte aktives oder ehemaliges Mitglied der Feuerwehr ist, ist derzeit ebenso unklar wie der endgültige Ablauf des tödlichen Unfalls. Für den Pensionisten gilt die Unschuldsvermutung.