Spiele-Test

"Fire Emblem: Fortune’s Weave" ist groß, komplex, mutig

Vier Helden, eine zerstörte Welt und ein Kampf gegen die Zeit: "Fire Emblem: Fortune’s Weave" geht auf der Nintendo Switch 2 teils ganz neue Wege.
Rene Findenig
16.09.2026, 16:15
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Mit "Fire Emblem: Fortune’s Weave" bringt Nintendo am 17. September 2026 erstmals einen neuen Teil der Reihe exklusiv auf die Nintendo Switch 2. Das Spiel von Intelligent Systems bleibt dem Grundprinzip der Serie treu, verändert aber die Struktur. Statt einer einzigen Heldengruppe stehen vier separate Figuren im Mittelpunkt. Ihre Geschichten laufen zunächst getrennt, greifen aber immer stärker ineinander. Gleichzeitig spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Was in der Vergangenheit passiert, beeinflusst die Zukunft. Die Ausgangslage ist düster. Wir befinden uns im Jahr 1454. Das Dagdanische Kaiserreich steht vor dem Untergang, nachdem der Dämonengott Balor wieder auferstanden ist.

Eine Seele wird im Auftrag der Göttin Sothis in die Vergangenheit geschickt. Fortuna, eine Göttin mit der Fähigkeit zur Zeitreise, eröffnet eine andere Möglichkeit: Statt Balor direkt entgegenzutreten, sollen die Schicksale jener Helden verändert werden, die später eine entscheidende Rolle spielen. Das klingt nach einer klassischen Weltrettungsgeschichte. Interessanter wird es durch die vier Hauptfiguren. Cai will seinen inhaftierten Vater retten. Dietrich sucht ständig nach stärkeren Gegnern. Theodora verfolgt einen persönlichen Traum für ihre Heimat. Leda ist Musikerin und von einem Rachegedanken angetrieben. Diese unterschiedlichen Motive geben den einzelnen Handlungssträngen einen eigenen Charakter.

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Taktik bleibt das Herzstück

Spieler wechseln nicht einfach zwischen vier optisch unterschiedlichen Kämpfern, sondern erleben vier Perspektiven auf dieselbe Welt. Dabei ist wichtig, dass du nicht vier komplett getrennte Storystränge nacheinander absolvieren musst. Die Geschichten sind miteinander verbunden und können parallel verfolgt werden. Spielerisch bleibt dagegen vieles beim Alten. Wer ein "Fire Emblem"-Game kennt, findet sich im Kampf schnell zurecht. Die Gefechte laufen rundenbasiert ab. Vor dem Start legst du fest, welche Einheiten eingesetzt werden und wo sie auf dem Spielfeld stehen. Danach bewegst du die Figuren und entscheidest, welche Gegner angegriffen werden. Trotz dieser vertrauten Grundlage gibt es aber genug Tiefgang.

Positionen, Gelände, Waffen und Klassen spielen eine Rolle. Einheiten mit unterschiedlichen Fähigkeiten müssen sinnvoll zusammenspielen. Nahkämpfer benötigen eine andere Position als Figuren mit Fernkampfwaffen oder Magie. Wer einfach nach vorne läuft und den nächsten Gegner anklickt, bringt sich deshalb unnötig in Schwierigkeiten. Hier zeigt sich eine Stärke des Spiels. Die Regeln sind grundsätzlich verständlich, aber die Möglichkeiten wachsen mit deiner Gruppe. Je mehr Fähigkeiten, Waffen und Einheiten dazukommen, desto häufiger musst du vor einem Angriff überlegen, was danach passiert. Ein vermeintlich einfacher Sieg kann schnell teuer werden, wenn eine wichtige Figur anschließend ungeschützt dasteht.

Zwischen den Kämpfen gibt es viel zu tun

Zusätzlich verfügen die vier Haupthelden über besondere Brandtechniken. Diese Fähigkeiten sind stark, haben aber einen Preis: Ihr Einsatz kostet Lebenspunkte. Dadurch entsteht eine interessante Entscheidung. Du kannst einen schwierigen Kampf schneller drehen, schwächst dafür aber deine eigene Figur. Besonders in längeren Gefechten muss deshalb abgewogen werden, wann sich der Einsatz tatsächlich lohnt. Die Kämpfe der sogenannten Heroenspiele bilden dabei einen wichtigen Rahmen. Diese Veranstaltungen finden in der Hauptstadt Dagsion statt und sind eng mit der Geschichte verbunden. Zwischen den großen Gefechten hast du allerdings mehr Möglichkeiten, als nur auf den nächsten Kampf zu warten.

Genau an diesem Punkt entfernt sich "Fire Emblem: Fortune’s Weave" stärker von einem klassischen Taktikspiel. Zwischen den Kämpfen kannst du dich um deine Einheiten kümmern, trainieren, Beziehungen aufbauen und neue Verbündete gewinnen. Außerdem darfst du Dagsion verlassen und die Umgebung erkunden. Das bedeutet: Nicht jede Minute muss in einem Kampf enden. Es gibt Phasen, in denen du dich auf das vorbereitest, was als Nächstes kommt. Du kannst deine Truppe verbessern oder dir ansehen, welche Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen. Ein Teil des Spiels besteht deshalb aus Entscheidungen, die erst später Auswirkungen zeigen.

Die vier Geschichten verändern den Rhythmus

Besonders das Training ist eng mit der Entwicklung deiner Einheiten verbunden. Einmal pro Woche kannst du in der Arena trainieren. Verbesserte Fähigkeiten schalten neue Aktionen frei und ermöglichen später auch den Einsatz stärkerer Waffen. Das sorgt dafür, dass die Entwicklung der Figuren nicht nur über höhere Zahlen funktioniert. Deine Entscheidungen beim Aufbau der Gruppe verändern auch ihre Möglichkeiten im Kampf. Für Fans von "Fire Emblem: Three Houses" dürfte dieses Grundprinzip vertraut wirken. "Fortune’s Weave" übernimmt die Idee, dass zwischen den Kämpfen nicht einfach eine Ladepause liegt, sondern ein eigener Spielabschnitt. Gleichzeitig wird diese Struktur erweitert.

Die vier Helden und ihre jeweiligen Geschichten sorgen dafür, dass du nicht nur eine Gruppe verwaltest. Das kann allerdings auch anstrengend werden. Das Spiel bietet sehr viele Möglichkeiten und verlangt entsprechend Aufmerksamkeit. Wer möglichst schnell von einem Kampf zum nächsten möchte, muss sich auf einige Unterbrechungen einstellen. Wer dagegen gerne seine Figuren entwickelt und Beziehungen sowie Nebenaktivitäten mitnimmt, bekommt deutlich mehr zu tun. Die Entscheidung für vier Hauptfiguren ist mehr als optische Spielerei. Jeder Handlungsstrang hat einen eigenen Ausgangspunkt. Cai, Dietrich, Theodora und Leda verfolgen unterschiedliche Ziele, wodurch sich die Motivation für ihre Kämpfe unterscheidet.

Das Spiel nimmt sich viel Zeit

Cai ist dabei stark von seiner Familie geprägt. Sein Vater sitzt im Gefängnis, und sein Wunsch, ihn zu retten, steht im Mittelpunkt seiner Geschichte. Für Dietrich ist die Suche nach einem stärkeren Gegner ein wesentlicher Antrieb. Theodora wiederum handelt als Königin aus einer politischen und persönlichen Motivation heraus. Leda bringt mit ihrer Rachegeschichte nochmals eine andere Stimmung hinein. Das sorgt dafür, dass die Handlung nicht ständig dieselbe Perspektive wiederholt. Gleichzeitig musst du dich darauf einstellen, dass das Spiel nicht jede Geschichte gleich behandelt. Die unterschiedlichen Figuren haben ihre eigenen Beziehungen und Situationen. Das macht die Erzählung umfangreicher, aber auch komplexer.

Die Entscheidung für vier Hauptfiguren ist mehr als eine optische Spielerei.
Nintendo

Die zeitliche Struktur verstärkt diesen Effekt. Du kennst bereits Teile der späteren Ereignisse und versuchst, sie durch Handlungen in der Vergangenheit zu verändern. Das Spiel baut damit nicht nur auf die Frage, ob du einen Kampf gewinnst. Es geht auch darum, welche Entwicklung du überhaupt erst möglich machst. Dabei hilft, dass "Fortune’s Weave" seine Welt nicht ausschließlich über Zwischensequenzen erklärt. Dagsion und die Gebiete außerhalb der Hauptstadt sind Teil des Spiels. Du kannst dich zwischen den Missionen bewegen, zusätzliche Erfahrung sammeln und weitere Möglichkeiten für deine Gruppe entdecken. "Fire Emblem: Fortune’s Weave" ist dabei kein Titel, den du nebenbei an einem Wochenende abschließt.

Für Neueinsteiger gibt es eine Hürde

Eine vollständige Spielerfahrung kann schnell in den dreistelligen Stundenbereich gehen. Auf der einen Seite gibt es genug Material, um die vier Helden ausführlich kennenzulernen und ihre Geschichten miteinander zu verbinden. Du hast Zeit, deine Einheiten aufzubauen, neue Charaktere zu rekrutieren und verschiedene taktische Möglichkeiten auszuprobieren. Auf der anderen Seite kann die schiere Menge an Möglichkeiten ermüdend sein. Gerade wenn du zwischen mehreren Handlungssträngen, Training, Erkundung und Kämpfen wechselst, entsteht schnell der Eindruck, dass ständig etwas erledigt werden möchte. Genau hier dürfte auch die größte Hürde für Neueinsteiger liegen.

"Fortune’s Weave" erklärt seine Systeme zwar, aber es gibt viele davon. Wer zum ersten Mal ein umfangreiches "Fire Emblem" spielt, muss sich zunächst orientieren. Veteranen der Reihe profitieren dagegen davon, dass die grundlegenden Abläufe bekannt sind. Das Spiel ist nicht schwer verständlich, aber umfangreich. Auch die große Menge an Nebenaktivitäten kann dazu führen, dass der rote Faden zeitweise in den Hintergrund rückt. Wenn du gerade wissen willst, wie es mit einem der vier Helden weitergeht, kann es sich zunächst nach einem Umweg anfühlen, erneut zu trainieren, Beziehungen zu pflegen oder einen anderen Bereich zu erkunden. "Fortune’s Weave" will eben große Rollenspielwelt sein, in der sich mehr tut, als nur Kämpfe.

Die Welt selbst setzt auf eine Mischung aus Fantasy, Zeitreise und futuristischen Elementen.
Nintendo

Taktik und Handlung sind die großen Stärken

Technisch nutzt das Spiel die Möglichkeiten der Nintendo-Konsole dafür, eine deutlich größere Spielwelt und umfangreiche Inhalte auf einer mobilen Plattform unterzubringen. HDR-Ausgabe und Surround-Sound werden unterstützt. Die Welt selbst setzt auf eine Mischung aus Fantasy, Zeitreise und futuristischen Elementen. Du musst aber nicht zwangsläufig ein Serienexperte sein, um "Fortune’s Weave" zu verstehen. Die vier Hauptfiguren bieten jeweils einen eigenen Zugang zur Geschichte. Die grundlegenden Kampfregeln sind ebenfalls nachvollziehbar. Die Handlung von "Fortune’s Weave" funktioniert als eigenes Abenteuer. Wer die Vorgeschichte kennt, dürfte allerdings zusätzliche Zusammenhänge und Verbindungen leichter erkennen.

Die größte Stärke von "Fire Emblem: Fortune’s Weave" ist die Verbindung der vier Geschichten. Ihre unterschiedlichen Ziele geben der Geschichte verschiedene Blickwinkel. Auch die taktischen Kämpfe funktionieren nach dem bekannten "Fire Emblem"-Prinzip. Positionierung, Einheiten, Waffen und Fähigkeiten greifen ineinander. Wer sich auf das System einlässt, bekommt Kämpfe, bei denen nicht einfach die stärkste Figur gewinnt. Aber die vielen Systeme wollen verwaltet werden. Training, Beziehungen, Erkundung, Rekrutierung und Charakterentwicklung sind keine bloßen Extras, sondern Teil des Fortschritts. Du kannst sie nicht einfach komplett ignorieren, ohne auf Möglichkeiten zu verzichten.

Fazit: Umfangreiches Top-RPG, das Geduld verlangt

"Fire Emblem: Fortune’s Weave" ist kein kleiner neuer Ableger, der nur das bekannte Serien-Kampfsystem auf die Switch 2 bringt. Nintendo und Intelligent Systems bauen das Konzept aus. Vier Helden, mehrere miteinander verbundene Geschichten, Zeitreisen, Erkundung und Charakterentwicklung machen das Spiel zu einem umfangreichen Rollenspiel. Die taktischen Kämpfe bilden weiterhin das Fundament. Sie sind klar aufgebaut, verlangen Planung und werden durch die Entwicklung der eigenen Einheiten zunehmend komplexer. Gleichzeitig versucht das Spiel, zwischen den Schlachten mehr Freiheit zu schaffen. Das funktioniert nicht immer gleich gut. Manche Aktivitäten bremsen den Erzählfluss, und die Menge an Möglichkeiten kann gerade am Anfang viel sein.

Die Größe des Spiels ist damit gleichzeitig seine größte Stärke und eine seiner größten Herausforderungen. Wer sich auf diese Struktur einlässt und Geduld, bekommt dafür ein "Fire Emblem", das die bekannten Grundlagen nicht einfach wiederholt, sondern größer, komplexer und mutiger auftritt. "Fortune’s Weave" nimmt die taktischen Kämpfe ernst, gibt seinen Figuren aber deutlich mehr Raum und verbindet ihre Geschichten über die Zeit hinweg. Gerade diese Mischung macht den neuen Teil interessant. Du musst nicht nur überlegen, wie du den nächsten Kampf gewinnst. Du entscheidest auch, welche Figur du entwickelst, wem du deine Zeit widmest und welche Ereignisse du überhaupt verändern willst.

rfi,Akt. 16.09.2026, 16:19, 16.09.2026, 16:15