Frank Stronach ist zurück in der alten Heimat – und hat eine Botschaft im Gepäck. Kurz vor seinem 94. Geburtstag am 6. September reiste der Magna-Gründer nach Österreich. Anlass ist die Dokumentation "The Magna Man" von Produzent Oliver Feicht, die Stronachs Leben nachzeichnet: von der Kindheit in Weiz über die ersten Schritte in Amerika bis hin zu seinem Ausflug in die Politik.
Die erste Premiere fand am Dienstagabend im Kunsthaus Weiz statt. Treffender hätte der Ort kaum sein können: Stronach, geboren in Kleinsemmering bei Weiz als Franz Strohsack, nahm im Frank-Stronach-Saal Platz – in jenem Haus, dessen Bau er einst mit einer Million Euro mitfinanzierte.
Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, war die Rückkehr für den Unternehmer sichtlich emotional. "Es erweckt sehr viele Erinnerungen hier in Weiz zu sein. I bin ana von die Weizer. I bin gerne unter Weizern", sagte Stronach dort Dienstagabend. Auf der Bühne sprach er aber nicht nur über Erinnerungen, sondern auch über seine Sorge um Österreich.
"Ich mache mir Sorgen um Österreich", sagte Stronach: "Leute, die Geld haben, machen die Regeln. Profit wird mit der Arbeitskraft nicht geteilt. Wir brauchen eine Revolution. Keine zerstörerische, sondern eine geistige Revolution." Dahinter steht ein Thema, das ihn seit Jahren umtreibt: Mehr wirtschaftliche Mitbestimmung, weniger Bürokratie und eine stärkere Beteiligung von Arbeitnehmern am Profit.
In einem Interview mit der "Krone" wurde Stronach nun noch persönlicher. Der Unternehmer sprach über sein Leben, die Krise der Autoindustrie, die Gerichtsverfahren in Kanada wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe – und über den Tod. Angst davor habe er nicht, sagte er: "Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich weiß, ich folge meinem Gewissen."
Zu den Verfahren in Kanada wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe verwies Stronach auf sein Lebenswerk und seine Unternehmensstrukturen. Er habe eine Firma mit 180.000 Beschäftigten aufgebaut, ein Drittel davon seien Frauen gewesen. In seinen Betrieben habe es moderne Personalstrukturen und anonyme Beschwerde-Hotlines gegeben, erklärte er.
"Im ersten Prozess wurden von ursprünglich zwölf Anschuldigungen elf gleich wieder fallen gelassen. Bei dem einen verbliebenen Punkt bin ich zu 100 Prozent überzeugt, dass dem Richter absolute Fehler unterlaufen sind."
„Das kann ja nicht sein, dass du da jahrelang studieren musst, bis du das Steuergesetz verstehst.“Frank Stronach
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand aber Stronachs Blick nach vorn. Österreich brauche aus seiner Sicht ein einfaches Steuergesetz, das selbst für Hauptschul-Absolventen verständlich sei. Und: Vor allem Kleinfirmen müssten entlastet werden. "Kleinfirmen waren immer das Rückgrat jeder Nation, aber die sind zu Tode geregelt."
Sein Vorschlag: Kleinfirmen sollten von der Geschäftssteuer ausgenommen werden, da ja ohnehin das Einkommen der Arbeiter besteuert sei. Der Eigentümer solle dann nur auf das Geld, das er aus der Firma für sich selbst herausnehme, Steuern zahlen. "Wer eine Firma anfängt, nimmt sich eh nur so viel heraus, wie die Familie zum Leben braucht. Wir können die nicht zu Tode besteuern, bevor sie überhaupt richtig angefangen haben."
Auch die Autoindustrie sieht Stronach in einer historischen Krise. "Was bei uns wächst, sind nur Bürokratie und Schulden", sagte er. Seine Kritik: Es werde zu wenig technisch ausgebildet, zu viel importiert und zu viel auf Schulden gesetzt. Ein Land ohne gute technische Lehrausbildung könne keine Produkte herstellen, so seine Warnung. "Stattdessen importieren wir immer mehr und haben uns völlig von China abhängig gemacht."
Am Ende bleibt der Satz, der wie ein Vermächtnis klingt. Auf die Frage nach seinen Wünschen zum 94. Geburtstag sagte Stronach: "Mein einziger Wunsch ist, dass ich noch am Leben sein werde, wenn Österreich oder Kanada eine ökonomische Rechtsverfassung einführen."
Für den Selfmade-Milliardär ist das offenbar mehr als ein politisches Projekt. Es ist sein letzter großer Wunsch: Österreich soll sich wirtschaftlich neu aufstellen – und er würde es gerne noch miterleben.