Eltern prägen Bildungsweg

Studie enthüllt: Bildung wird in Österreich "vererbt"

Eine Langzeitstudie zeigt: Bildung wird in Österreich stark vererbt. Der Abschluss der Eltern prägt den Bildungsweg der Kinder besonders.
Newsdesk Heute
02.09.2026, 19:35
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Ob AHS, Lehre oder später ein Studium: In Österreich hängt der Bildungsweg eines Kindes stark vom Bildungsabschluss der Eltern ab. Eine Langzeitstudie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigt, dass dieser Faktor deutlich stärker ins Gewicht fällt als etwa Geschlecht, Wohnort oder Migrationshintergrund.

Für die Untersuchung wurden die Bildungswege sämtlicher 85.535 Taferlklassler des Schuljahres 2004/05 über einen Zeitraum von 17 Jahren verfolgt – vom sechsten bis zum 23. Lebensjahr.

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Dabei zeige sich, "dass wir alle im selben Bildungssystem sind, aber je nach sozialem Hintergrund in ganz anderen Bildungswelten", so Studienautor und IHS-Bildungsexperte Mario Steiner. Die Unterschiede beginnen demnach bereits früh und werden während der weiteren Schullaufbahn größer.

65 Prozent der Akademikerkinder in AHS

Schon in der Volksschule zeigen sich deutliche Unterschiede. Sechs Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, besuchen eine Sonderschule. Bei Kindern von Akademikern beträgt dieser Anteil nur ein Prozent.

Nach der Volksschule geht die Schere noch weiter auseinander. 65 Prozent der Akademikerkinder wechseln in eine AHS-Unterstufe. Bei Kindern von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss sind es lediglich elf Prozent.

Noch deutlicher wird der Unterschied später: 83 Prozent der Jugendlichen aus bildungsprivilegierten Familien besuchen eine Schule, die zur Matura führt. Bei den Bildungsbenachteiligten trifft das nur auf 24 Prozent zu.

Im Alter von 22 Jahren befinden sich schließlich 59 Prozent der Akademikerkinder in einer tertiären Ausbildung an Universität, Fachhochschule oder Pädagogischer Hochschule. Bei Kindern von Eltern mit höchstens Pflichtschulabschluss sind es elf Prozent.

Migrationshintergrund mit geringerem Einfluss

Weniger groß fallen laut Studie die Unterschiede beim Migrationshintergrund aus. Mit 16 Jahren besuchen 54 Prozent der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund eine maturaführende Schule.

Bei Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration sind es 39 Prozent, in der zweiten Generation bereits 47 Prozent. Steiner hält es deshalb für zu kurz gegriffen, Menschen mit Migrationshintergrund grundsätzlich als benachteiligte Gruppe einzuordnen. Entscheidend sei eine genauere Betrachtung der jeweiligen sozioökonomischen Voraussetzungen.

Für den Bildungsexperten zeigen die Ergebnisse eine starke Weitergabe von Bildungschancen zwischen den Generationen. Als Gegenmaßnahme empfiehlt er einen deutlichen Ausbau der Ganztagsschulen. Dadurch könnte die Bedeutung der Unterstützung im Elternhaus reduziert werden.

"Von den Kindern, deren Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss haben, schaffen es zwar viele, eine Lehre abzuschließen - also durchaus einen Bildungsaufstieg -, aber von der höheren Bildung bleiben sie weitgehend ausgeschlossen", so Steiner.

Mädchen häufiger an Uni

Auch zwischen Mädchen und Burschen zeigen sich unterschiedliche Bildungswege. Mädchen wechseln häufiger über die AHS an eine Universität, während Burschen öfter von der Mittelschule in eine Lehre gehen.

Mit 13 Jahren besuchen drei Prozent der Burschen eine Sonderschule, bei den Mädchen ist es ein Prozent. In einer Lehre befinden sich 36 Prozent der Burschen und 20 Prozent der Mädchen.

Beim Studium dreht sich das Verhältnis um: 32 Prozent der jungen Frauen studieren, bei den jungen Männern sind es 24 Prozent.

Sonderschule beeinflusst spätere Chancen

Besonders deutlich sind laut Studie auch die späteren Unterschiede zwischen ehemaligen Sonderschülern und Kindern aus dem Regelschulsystem.

Von jenen, die während der Pflichtschulzeit eine getrennte Sonderschule besucht haben, sind mit 23 Jahren 50 Prozent erwerbsfern, inaktiv oder arbeitslos. Nach einer integrierten Form der Sonderschule liegt dieser Anteil bei 25 Prozent. Bei jungen Erwachsenen, die das Regelschulsystem besucht haben, beträgt der Anteil hingegen elf Prozent.

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