Die Lehre soll in Österreich attraktiver werden – und dafür schraubt die Regierung jetzt an mehreren Stellen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) präsentierten bei einem Besuch der Traditions-Konditorei Jindrak in Linz neue Maßnahmen.
Der größte Geld-Brocken: Für das Förderprogramm "Lehre mit Matura" stellt das Wissenschaftsministerium zusätzlich 10 Millionen Euro bereit. Lehrlinge können sich dabei kostenlos auf die Berufsreifeprüfung vorbereiten und sich damit später auch den Weg an Fachhochschulen oder Universitäten öffnen.
"Eine Lehre darf keine Sackgasse sein", betont Holzleitner. Wer sich für eine Berufsausbildung entscheide, solle trotzdem alle Möglichkeiten für weitere Bildung offen haben.
Auch bei der Lehrausbildung selbst gibt es Neuerungen. Im Zuge des aktuellen Lehrberufspakets wurden 14 Lehrberufe modernisiert und stärker an die Anforderungen der Betriebe angepasst.
Einer davon ist die Konditorei beziehungsweise Zuckerbäckerei. Dort tritt mit 1. Jänner 2027 eine neue Lehrabschlussprüfung in Kraft.
Künftig wird noch stärker das geprüft, was im betrieblichen Alltag tatsächlich gebraucht wird. Die Kandidaten müssen ab dem kommenden Jahr zunächst ein schriftliches Planungskonzept erstellen und dieses anschließend in die Praxis umsetzen.
Geprüft werden unter anderem Festtagstorten, Petits Fours, Pralinen, Teegebäck und Tellerdesserts. Neu ist außerdem: Die Lehrlinge müssen ihre selbst hergestellten Produkte auch präsentieren. Damit sollen neben dem handwerklichen Können künftig Kundenorientierung und Verkaufskompetenz stärker zählen.
"Die Lehre ist kein Plan B, sondern ein Karriereweg mit Zukunft", sagt Hattmannsdorfer.
Im Konditorenhandwerk gibt es bereits einen positiven Trend bei den Meisterabschlüssen: 2025 bestanden 112 Personen die Meisterprüfung, nach 95 im Jahr davor – ein Plus von rund 18 Prozent. Auffällig: 104 der 112 Abschlüsse gingen an Frauen.
Gleichzeitig sinkt allerdings die Zahl der Lehrlinge. Ende 2025 waren österreichweit 102.878 Jugendliche in Ausbildung – 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei den Konditoren ging die Zahl von 963 auf 917 zurück.
Gleichzeitig verschärft die demografische Entwicklung den Fachkräftebedarf: Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter erreichte 2024 mit 5,57 Millionen ihren Höchststand und wird bis 2040 voraussichtlich um rund 256.000 Personen sinken.
Hattmannsdorfer warnt deshalb vor der "größten Pensionierungswelle unserer Geschichte". "In Zukunft werden weniger Menschen im Erwerbsalter für mehr Menschen im Ruhestand sorgen müssen", so der Minister.
Für die Betriebe bedeute das noch härteren Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte. Hattmannsdorfer: "Deshalb müssen wir jedes Talent nutzen und berufliche Ausbildung genauso attraktiv machen wie akademische Bildungswege." Stärkung der Lehre bedeute auch Stärkung des Wirtschaftsstandorts.