Am 9. Juli wurde im Nationalrat unter anderem über das Budget des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung beraten. Neben dem Anstieg des Frauenbudgets waren auch die mangelnden Lese- und Schreibkenntnisse vieler erwachsener Österreicher Thema.
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) sieht die Erwachsenenbildung als "essentiellen" Teil ihres Ressorts an. Anspruch müsse es sein, "Bildung auch auf vielleicht untypischeren Wegen zu ermöglichen", d.h. auch außerhalb des Schulsystems und darüber hinaus.
Als solche weiteren Bildungsmöglichkeiten macht Holzleitner die berufliche Weiterqualifizierung und Neuorientierung oder den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen aus.
Besonders um Letztere ist es in Österreich nicht gut bestellt, wie die Wissenschaftsministerin betont: "1,7 Millionen Menschen in Österreich können nicht entsprechend lesen oder schreiben. Das ist eine gigantische Zahl für ein reiches Land, wo die Schulplicht de facto seit Jahrhunderten besteht."
Dennoch hätten auch Menschen im Erwachsenenalter, die nach dem Durchlaufen des Schulsystems nicht richtig lesen oder schreiben können, ein "Recht auf Bildung". Da es sich, wie Holzleitner betont, insbesondere für Männer um ein "extrem schambehaftetes Thema" handelt, müssten aktive Angebote der Erwachsenenbildung gestärkt werden.
Nationalratsabgeordneter Martin Graf (FPÖ) kann nicht nachvollziehen, wieso sich die Wissenschaftsministerin für die Alphabetisierungsrate von Erwachsenen verantwortlich sieht. "Was hat das mit Wissenschaft zu tun?", fragt er im Nationalrat. Für die schlechten Lese- und Schreibkenntnisse der Erwachsenen macht er den Bildungsminister verantwortlich.
Holzleitner und Parteikollege Heinrich Himmer beharren: Die Erwachsenenbildung liegt in Österreich im Zuständigkeitsbereich des Wissenschaftsministeriums. Sie sei nicht mehr Teil der Schulpflicht, sondern Bestandteil des "lebenslangen Lernens".