Reform beschlossen

Mehr Geld! Jetzt winkt allen eine satte Zusatzpension

Viele fürchten, mit ihrer Pension später nicht auszukommen. Die Regierung schafft nun Möglichkeit einer Zusatzpension für alle – rund 10 % mehr Geld.
Angela Sellner
10.07.2026, 21:37
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Die staatliche Pension allein reicht vielen später nicht aus. Deshalb wird jetzt die zweite Säule des österreichischen Pensionssystems gestärkt: die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitgeber.

Ein entsprechendes Maßnahmenpaket hat der Ministerrat jetzt per Umlaufbeschluss fixiert und dem Nationalrat zugeführt. Man schaffe damit ein echtes zweites Standbein in der Altersvorsorge, betont Neos-Kapitalmarktsprecher Christoph Pramhofer.

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Im Zentrum steht die Abfertigung Neu. Dabei zahlt der Arbeitgeber laufend in eine betriebliche Vorsorgekasse ein, die das Geld am Kapitalmarkt veranlagt. Bisher gilt dabei vor allem eines: Sicherheit. Denn das eingezahlte Kapital ist garantiert.

Neues Modell

Der Haken daran: Diese Garantie kostet Ertrag. Damit die Vorsorgekasse jederzeit sicherstellen kann, dass nichts verloren geht, muss sie sehr vorsichtig veranlagen. Weniger Aktien, mehr sichere Anlagen – das bringt langfristig oft weniger Rendite.

Genau hier setzt die Reform an – mit einem neuen Veranlagungsmodell. Konkret wird die Abfertigung besser für die Pension nutzbar gemacht. Beschäftigte sollen künftig selbst entscheiden können, ob sie bei der sicheren Variante mit Kapitalgarantie bleiben oder in ein chancenreicheres Modell wechseln. Dort kann stärker am Kapitalmarkt veranlagt werden. Das kann mehr Ertrag bringen, bedeutet aber auch mehr Schwankungen.

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer (ÖVP): "Wir wollen, dass das Geld der Menschen künftig besser für sie arbeitet."
Sabine Hertel
„Wer das neue System konsequent nutzt, kann seine Nettopension um rund 10 Prozent erhöhen.“
Wolfgang HattmannsdorferWirtschaftsminister (ÖVP)

Bis 10 Prozent mehr Pension

In den Vorsorgekassen liegen aktuell rund 22 Milliarden Euro. Dieses Geld soll künftig stärker für die Menschen arbeiten. "Wer das neue System konsequent nutzt, kann seine Nettopension um rund 10 Prozent erhöhen", sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).

"Wir führen in der Abfertigungskasse ein neues Produkt ein, das auf höhere Ertragschancen setzt", erklärt Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Das kann sich insbesondere für junge Menschen auszahlen: "Wer noch viele Jahre bis zur Pension hat, kann so die Chancen des Kapitalmarkts stärker nutzen und mehr aus seiner Abfertigung machen", führt Eibinger-Miedl aus.

Anders formuliert: je länger das Geld arbeitet, desto größer kann der Unterschied am Ende sein. Der Wechsel in das neue System ist freiwillig. Wer nichts tut, bleibt automatisch im bisherigen Modell mit Kapitalgarantie.

Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl im "Heute"-Interview.
Sabine Hertel
„Wir schaffen die Möglichkeit, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Zugang zu einer Zusatzpension erhalten.“
Barbara Eibinger-MiedlFinanzstaatssekretärin (ÖVP)

Lebenslange Zusatzpension

Neu ist auch: Die eigene Abfertigung soll künftig – statt der einmaligen Auszahlung bei Fälligkeit – in eine Pensionskasse übertragen werden können. Damit kann das angesparte Geld in eine lebenslange monatliche Zusatzpension umgewandelt werden – auch dann, wenn der eigene Arbeitgeber bisher keine Pensionskassenlösung angeboten hat.

"Wir schaffen die Möglichkeit, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Zugang zu einer Zusatzpension erhalten – unabhängig davon, ob der Arbeitgeber eine Pensionskassenlösung anbietet", so Eibinger-Miedl.

Rechenbeispiele: So profitierst du

Wie viel mehr Geld dir die Reform konkret bringen kann – dazu hier einige Beispiele:

Lisa, 25, Einzelhandelskauffrau
Lisa verdient 2.200 Euro brutto im Monat. Wenn sie mit 65 Jahren in Pension geht, hat ihr Arbeitgeber insgesamt 28.500 Euro in 40 Jahren eingezahlt. Zum Pensionsantritt bekäme sie mit der Abfertigung Neu rund 37.700 Euro ausbezahlt. Mit dem neuen Vorsorge-Modell wären es rund 55.400 Euro. Das ist ein Plus von 17.700 Euro oder 47 Prozent.

Stefan, 35, Installateur
Stefan verdient 3.000 Euro brutto im Monat. Bis zur Pension zahlt sein Arbeitgeber in 30 Jahren insgesamt 26.000 Euro für die Abfertigung ein. Im bisherigen Modell bekäme Stefan dann rund 32.300 Euro. Mit dem neuen Modell wären es rund 43.000 Euro. Das ist ein Plus von 10.700 Euro oder 33 Prozent.

Tobias, 18, Lehrling
Tobias verdient 2.000 Euro brutto. Bis zu seiner Pension mit 65 zahlt sein Arbeitgeber 32.900 Euro ein. Bisher käme er auf rund 45.600 Euro. Mit dem neuen Modell wären es rund 71.800 Euro. Das ist ein Plus von 26.200 Euro oder 58 Prozent.

Alle drei haben zudem künftig die Möglichkeit, den angesparten Betrag in eine lebenslange Zusatzpension umzuwandeln.

„Die zweite Säule wird vom Privileg für wenige zu einem Angebot für alle.“
Christoph PramhoferNeos-Kapitalmarktsprecher

"Künftig hängt der Zugang zur betrieblichen Vorsorge nicht mehr von der Größe des Arbeitgebers ab", betont Neos-Mann Pramhofer. Damit schaffen wir es, dass die zweite Säule vom Privileg für wenige zu einem Angebot für alle wird."

"Wir schaffen damit eine freiwillige Möglichkeit für mehr finanzielle Sicherheit im Alter – und das ohne zusätzliche Belastung für das Budget", so Pramhofer weiter.

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