AK-Umfrage unter 3.200 Eltern

Schul-Alarm – Immer mehr Schüler brauchen Nachhilfe

Das Geschäft mit der Nachhilfe boomt immer stärker. Die Arbeiterkammer hat einen Schuldigen für dieses Phänomen ausgemacht: das Schulsystem.
Heute Politik
18.08.2026, 11:05
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Österreichs Familien geben im Jahr insgesamt 144 Millionen Euro für bezahlte Nachhilfe aus. Warum das so ist, hat die Arbeiterkammer (AK) in ihrem "Nachhilfebarometer" erhoben (3.208 befragte Eltern mit insgesamt 4.728 Schulkindern, telefonisch und online zwischen März und Mai 2026). Dieses stellt dem Schulsystem – und damit der Bildungspolitik – ein vernichtendes Zeugnis aus.

338.000 Schüler erhalten Nachhilfe

Demnach erhalten 338.000 Kinder und Jugendliche Nachhilfe. Das sind 32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler. Bereits jedes vierte Volksschulkind (23 Prozent) braucht Nachhilfe. Durchschnittlich geben Eltern 720 Euro pro Kind und Jahr für Nachhilfe aus.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Zum Vergleich: Im Jahr 2016 lag die Nachhilfe-Quote quer über alle Schüler bei 19 Prozent. Bei Volksschülern waren es überhaupt nur sieben Prozent.

Arbeiterkammer kritisiert Defizite im Unterricht

Laut AK führen Eltern 28 Prozent der bezahlten Nachhilfefälle direkt auf Defizite im Unterricht zurück – entweder weil der Stoff nicht ausreichend vermittelt wurde oder Unterricht ausgefallen ist. Rund 40 Millionen Euro der privaten Nachhilfeausgaben fließen so laut Kammer in jene individuelle Förderung, die eigentlich in der Schule stattfinden müsste.

Jedes vierte Volksschulkind braucht Nachhilfe

Der Befund der AK: Je weniger individuelle Förderung sie in der Schule erhalten, je stärker Eltern den Unterricht als noten- und prüfungsorientiert erleben und je weniger der Unterricht auf den Wissensstand der Kinder eingeht, desto häufiger wird private Nachhilfe notwendig. Bereits jedes vierte Volksschulkind braucht zusätzliche Unterstützung. Für viele Kinder beginnt die private Lernunterstützung damit schon in der Volksschule.

"Nachhilfe ist für viele Familien notwendig, damit ihre Kinder in der Schule mitkommen. Wenn Kinder schon in der Volksschule auf private Unterstützung angewiesen sind, zeigt das: Der Unterricht holt Kinder nicht dort ab, wo sie stehen, und bietet zu wenig wirksame Unterstützung. Damit verlagert sich eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe auf die Schultern der Eltern", sagt AK-Bildungsexpertin Elke Larcher.

„Der Unterricht holt Kinder nicht dort ab, wo sie stehen.“
Elke LarcherBildungsexpertin Arbeiterkammer

Das Barometer zeigt aber auch: Aus Sicht der Eltern hängen Bildungschancen noch immer stark von den Ressourcen der Familie ab. Nur 19 Prozent der Eltern glauben, dass allein die Fähigkeiten ihres Kindes über dessen Bildungserfolg entscheiden. Drei von fünf sehen auch das Einkommen der Eltern als entscheidenden Faktor, ein Fünftel hält es sogar für wichtiger als die Fähigkeiten des Kindes."

Arbeiterkammer stellt fünf Forderungen

Die Arbeiterkammer hat als Schluss aus dieser Umfrage einen Katalog mit fünf Forderungen aufgestellt. Die erste betrifft "treffsichere Investitionen" in die Schulen. Kinder sollten nicht auf das Bankkonto oder die Zeit ihrer Eltern angewiesen sein, um ihre Lernziele zu erreichen. Laut Berechnungen der AK wären für den von der Regierung angekündigten Chancenbonus mittelfristig 440 statt der geplanten 65 Millionen Euro notwendig.

Ganztagsschulen ausbauen

Ein Evergreen bei der Arbeiterkammer ist der Ausbau ganztägiger, beitragsfreier Bildungsangebote. Diese würden Eltern vom herausfordernden Lernen mit den Kindern und von teurer privater Nachhilfe entlasten.

Als drittes müsse die Schul- und Unterrichtsqualität verbessert werden. Ein Dorn im Auge ist der AK dabei die sogenannte "Leistungsbeurteilungsverordnung". Diese sei veraltet und orientiere sich an "punktuellen Wissensabfragen", so die Kritik. Zusätzlich brauche es mehr begleitendes Feedback und "Lernentwicklungsgespräche".

Schulkosten senken

Der vierte Punkt im Forderungskatalog: eine deutliche Senkung der Schulkosten. Denn Kosten für Schulmaterialien und die Teilnahme etwa an Ausflügen und Exkursionen dürften Familien finanziell nicht zusätzlich unter Druck bringen.

Alleinerzieherinnen entlasten

Die letzte Forderung ist ebenfalls ein AK-Klassiker: die gezielte Entlastung armutsgefährdeter Familien und Alleinerzieherinnen.  Dazu brauche es etwa eine Anhebung des Arbeitslosengeldes und der Sozialhilfe sowie eine Unterhaltsgarantie.

AK: "Bildung darf nicht vom Bankkonto der Eltern abhängen"

Die Bereichsleiterin Bildung der AK, Ilkim Erdost, formuliert es abschließend so: "Die Verantwortung liegt bei der Politik: Sie muss die Schulen so ausstatten, dass Bildung nicht vom Einsatz der Eltern oder von deren Bankkonto abhängt."

{title && {title} } pol, {title && {title} } Akt. 18.08.2026, 14:21, 18.08.2026, 11:05