Thailand statt Pflegeheim

"Wildwuchs beenden" – Zivildienst-Streit spitzt sich zu

VP-Bauer will Anrechnung von Freiwilligenjahr als Zivildienst neu regeln. Auch Sprachkurs in Thailand gilt derzeit: "Es braucht klare Abgrenzung."
Angela Sellner
18.08.2026, 13:55
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Im Zuge der Wehrdienstreform verhandelt die Koalition auch über Änderungen beim Zivildienst. Ein strittiger Punkt ist hier die Anerkennung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) als Ersatz für den Zivildienst.

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) pocht darauf, dass das Sozialjahr auch künftig als Zivildienst-Ersatz gilt. Wer sich freiwillig für andere engagiere, dürfe nicht mit neuen Hürden konfrontiert werden.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen
„Der derzeitige Wildwuchs muss beendet werden. Es braucht eine klare Abgrenzung, was als Zivildienst anrechenbar ist und was nicht.“
Claudia BauerFür den Zivildienst zuständige Ministerin (ÖVP)

Aus dem für den Zivildienst zuständigen Ressort kommt jetzt der Konter. Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) sieht die Entwicklung kritisch. Ihr Argument: Österreich steuert auf einen massiven Mangel an Zivildienern zu – gleichzeitig sei die Palette jener Freiwilligendienste, die den Zivildienst ersetzen können, breit. Nicht immer gehe es um Tätigkeiten bei Rettungsorganisationen oder in Pflegeheimen.

"Der derzeitige Wildwuchs muss beendet werden. Es braucht eine klare Abgrenzung, was als Zivildienst anrechenbar ist und was nicht", sagt Bauer zu "Heute".

"Freiwilliges Umweltjahr"

Als ein Beispiel stellt sie das Freiwillige Umweltjahr bei der Organisation Südwind zur Diskussion, die sich mit Nachhaltigkeit und Entwicklungspolitik beschäftigt. Einsatzmöglichkeiten gibt es unter anderem in Wien, Wiener Neustadt und Tirol.

In Wien gehören etwa Recherchearbeiten, das Verfassen von Pressetexten, die Betreuung von Internet- und Social-Media-Kanälen sowie die Organisation von Veranstaltungen zu den Aufgaben. Wer dieses Umweltjahr zumindest zehn Monate durchgehend absolviert, kann es sich als Zivildienstersatz anrechnen lassen.

Maori-Kindergarten bis Sprachkurs in Thailand

Doch auch weit weg von Österreich gibt es anerkannte Einsatzstellen. Im Maori-Kindergarten  "Cholmondeley Children's Centre" in Christchurch in Neuseeland unterstützen Freiwillige bei der Beaufsichtigung von Kindern, gestalten Aktivitäten mit und helfen in Küche und Verwaltung.

Am Kao Seng Beach in Songkhla in Thailand können Freiwillige bei der Abhaltung von Sprachkursen am TSU International College mitarbeiten.

Ein weiteres Beispiel ist in Beirut im Libanon angesiedelt – die Mitarbeit beim "Regionalprojekt Politischer Feminismus und Gender Büro" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Freiwillige können hier unter anderem Berichte und Protokolle verfassen und den Social-Media-Auftritt mitgestalten.

Bei anerkannten Trägern können solche Einsätze im Ausland bei entsprechender Dauer dazu führen, dass kein ordentlicher Zivildienst mehr geleistet werden muss.

„Ab 2040 werden uns jährlich 4.000 Zivildiener fehlen. Da brauchen wir jede helfende Hand hier in Österreich.“
Claudia BauerFür den Zivildienst zuständige Ministerin (ÖVP)

Anrechnungen massiv gestiegen

Die Zahlen zeigen, warum die Debatte jetzt an Schärfe gewinnt. Im Jahr 2015 gab es 42 Anrechnungen von Freiwilligendiensten auf den Zivildienst, 2025 waren es bereits 663.

Besonders stark stieg dabei die Anrechnung des Freiwilligen Sozialjahrs: Von 11 Anrechnungen  2015 auf 401 im Jahr 2025.

Ministerin Bauer warnt eindringlich: "Ab 2040 werden uns jährlich 4.000 Zivildiener fehlen. Da brauchen wir jede helfende Hand hier in Österreich. Wenn uns die Zivis in der Pflege, in der Behindertenbetreuung, im Kindergarten und im Rettungsdienst ausgehen, dann haben wir ein riesiges gesellschaftliches zusätzliches Problem."

SP-Sozialministerin Schumann geht es darum, das Freiwillige Sozialjahr, das in Österreich vorwiegend in Pflege, Kinderbetreuung oder im Rettungsdienst absolviert wird, keinesfalls zu schwächen. Sie argumentiert, auf diese Weise kämen junge Menschen gerade mit jenen Berufen in Kontakt, in denen Personal dringend gebraucht werde.

Daran will auch Bauer nicht rütteln. Aber ihr geht es darum, neu festzulegen, welche Tätigkeiten tatsächlich als Ersatz für einen Zivildienst gelten sollen – und welche nicht.

Im Raum steht dabei auch die Frage, ob der Zivildienst Österreich unmittelbar helfen muss – oder der Ersatz dafür weiterhin bis nach Thailand oder Neuseeland führen darf.

{title && {title} } sea, {title && {title} } Akt. 18.08.2026, 14:51, 18.08.2026, 13:55