Es ist ein erschreckender Trend: Die Zahl der Suspendierungen an Österreichs Schulen steigt und steigt immer weiter. Im vergangenen Schuljahr wurde ein trauriger Rekord erreicht.
Laut aktuellen Zahlen des Bildungsministeriums wurden im Schuljahr 2025/26 2.440 Kinder und Jugendliche vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen. Im Schuljahr davor waren es 2.187, im Schuljahr 2023/24 erst 2.013 und 2022/23 blieb man mit 1.911 unter der 2.000er-Marke.
Derzeit ist es so, dass Schüler und Schülerinnen, die mehrfach etwa wegen Gewalt, Drohungen oder Sachbeschädigung in der Schule auffallen, bis zu vier Wochen suspendiert werden können. Verhältnismäßig am häufigsten der Fall ist das an Sonderschulen (17,5 Promille der gesamten Schüleranzahl bzw. 297 Schüler), gefolgt von Mittel- und Polytechnischen Schulen (jeweils rund sechs Promille; Mittelschulen: 1.304, Polys: 87).
Am seltensten suspendiert wird an Berufsschulen (0,11 Promille bzw. 13 Schüler) und AHS (0,62 Promille bzw. 135 Schüler). An Volksschulen liegt der Wert bei 1,42 Promille - in absoluten Zahlen sind das aber immerhin 534 Kinder (2024/25: 413).
Im Bundesländervergleich am häufigsten suspendiert wird sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Schülerzahl in Wien (831 Schüler bzw. 3,12 Promille). Knapp dahinter folgt Vorarlberg, wo 2,91 Promille der Schüler suspendiert wurden (insgesamt 167) und Oberösterreich (2,82 bzw. 587 Schüler).
Verhältnismäßig am seltensten zur Suspendierung gegriffen wird in Niederösterreich (0,94 Promille bzw. 204 Schüler), in Tirol (1,20 Promille bzw. 123 Schüler) und dem Burgenland (1,23 Promille bzw. 45 Schüler).
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will "die aktuellen Zahlen nicht schönreden", sagte er der APA. "Wenn mehr als 2.400 Schülerinnen und Schüler suspendiert werden, zeigt das, dass wir beim Umgang mit eskalierenden Konflikten und herausforderndem Verhalten noch besser werden müssen. Eine Suspendierung kann in schwierigen Situationen notwendig sein, sie darf aber nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler den Anschluss an die Schule verlieren."
Deshalb setze man ab dem kommenden Schuljahr auf eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung. Die sieht etwa einen verbindlichen Förderplan für jedes suspendierte Kind sowie die Mitwirkung der Erziehungsberechtigten vor. Schüler werden ab einer Suspendierungsdauer von vier Tagen nicht mehr bloß vom Schulbesuch ausgeschlossen. Bis zu zehn Stunden pro Woche verbringen sie zur "Reintegration" in psychosozialen Maßnahmen oder Projekten in oder außerhalb einer Schule. Dazu kommen maximal zehn Stunden Unterricht, damit sie nach der Rückkehr in ihre Regelklasse leichter wieder Anschluss finden.
Die Tagesstruktur soll etwa verhindern, dass die Schüler die Suspendierungszeit im Einkaufszentrum oder Park verbringen. Zum Einsatz kommen dabei multiprofessionelle Teams, insbesondere Schulsozialarbeit und Schulpsychologie, sowie bei Bedarf fachlich geeignete externe Organisationen.
"Unser Ziel ist nicht, Kinder und Jugendliche möglichst lange aus der Schule fernzuhalten", so Wiederkehr. "Unser Ziel ist, dass sie nach einer Suspendierung wieder gut in den Schulalltag zurückkehren können. Dafür braucht es Unterstützung, klare Erwartungen und manchmal auch professionelle Hilfe."
Scharfe Kritik übte die ÖVP: Wien sei weiterhin trauriger Spitzenreiter bei der Zahl der Schulsuspendierungen, so der Klubchef und Bildungssprecher der Wiener Volkspartei, Harald Zierfuß. "Das zeigt eindringlich, dass die bisherige Schulpolitik von SPÖ und Neos krachend gescheitert ist." Eine seiner Forderungen: eine massive Aufstockung der Schulsozialarbeit.