SPÖ-Chef Andreas Babler hat den Kampf gegen die Zweiklassenmedizin zu einem seiner großen politischen Themen gemacht. Nun sorgt ausgerechnet eine Operation seines Vaters für Wirbel. Im Raum steht der Verdacht, dass dieser in einem Wiener Spital ungewöhnlich schnell einen OP-Termin erhalten haben soll.
Die FPÖ greift den Fall in einer parlamentarischen Anfrage auf. Darin ist vom "Verdacht auf Bevorzugung und Vorreihung für einen OP-Termin im Orthopädischen Spital Speising" die Rede. Betroffen ist Bablers Vater, der als Niederösterreicher im Sommer als Gastpatient in dem Wiener Ordensspital operiert wurde.
Mitarbeiter des Spitals bestätigten der "Kleinen Zeitung" den Eingriff Mitte August und berichteten von einer ungewöhnlich kurzen Wartezeit. Bablers Vater sei "auffallend rasch und – ohne die sonst übliche Wartezeit einhalten zu müssen – für einen Operationstermin vorgereiht worden". Dadurch seien "sämtliche geltenden Transparenz- und Reihungsregeln außer Kraft gesetzt" worden, heißt es in der parlamentarischen Anfrage.
Für den nicht akuten Eingriff soll normalerweise eine Wartezeit von sechs bis zwölf Monaten gelten. Bablers Vater soll hingegen erst wenige Wochen vor der Operation angemeldet worden sein. Wer eine mögliche Vorreihung veranlasst haben könnte, ist unklar. Laut Mitarbeitern seien keine offensichtlichen Umstände vorgelegen, die eine solche gerechtfertigt hätten.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) soll nun im Parlament Auskunft über den Fall geben.
Die SPÖ reagiert gegenüber der Tageszeitung mit einem scharfen Dementi: "Wir weisen diesen Vorwurf mit aller Entschiedenheit zurück. Angriffe auf den Gesundheitszustand von Familienmitgliedern politischer Mitbewerber sind eine demokratiepolitische Entgleisung und eine beispiellose politische Unkultur."
Wer dies tue, "überschreitet eine klare Grenze", heißt es weiter. Zur Frage, ob es tatsächlich eine medizinisch nicht notwendige Vorreihung gab, verwies die Partei auf den behandelnden Arzt beziehungsweise das Spital.
Dort müssen Vorreihungen laut "Kleiner Zeitung" von der Ärztlichen Direktion genehmigt werden. Die Operateure selbst hätten keinen Einfluss auf die Planung der Eingriffe.
Der Fall fällt auch deshalb auf, weil das Spital bereits wegen der Behandlung von Gastpatienten aus Niederösterreich vor Gericht stand. Ein Patient hatte geklagt, nachdem er auf der Warteliste zurückgereiht worden war.
Die Stadt Wien übernimmt bei Ordensspitälern die Finanzierung für maximal 19 Prozent Gastpatienten. Auf die konkrete Vergabe von OP-Terminen habe die Stadt jedoch keinen Einfluss. In das OP-Management der einzelnen Häuser sei man "selbstverständlich" nicht involviert.
Für Babler ist die Debatte politisch heikel: Erst in der Vorwoche hatte er im ORF-Sommergespräch erneut gegen die Zweiklassenmedizin Stellung bezogen. Im Wahlkampf 2024 warb die SPÖ zudem mit dem Slogan "E-Card statt Kreditkarte".