Nicht nur in Justizkreisen sorgten die schweren Vorwürfe gegen eine 32-Jährige für so manche hochgezogene Augenbraue. Zuletzt überschlugen sich die Ereignisse jedoch förmlich – ein Krimi ungeahnten Ausmaßes nahm Fahrt auf.
Mittendrin: Ein 67-jähriger Ex-Anwalt. Einst mit spannenden Fällen auf den Titelseiten, wirkt der Wiener gebrochen, steht ohne Job und mit fast einer Million Schulden da – musste zuletzt sogar wegen Veruntreuung auf der Anklagebank am Wiener Landl Platznehmen, wir berichteten.
Seine deutlich jüngere Ehefrau dürfte kurz nach dem Kennenlernen nicht nur privat die Zügel in die Hand genommen haben, als Vorzimmerdame übernahm sie ´ auch in der Kanzlei des Juristen rasch das Kommando, soll regelrechtes Schreckens-Regime errichtet haben.
Ermittlungen zufolge habe sich die russische Staatsbürgerin in zahlreichen Fällen selbst als Anwältin und "Frau Doktor" ausgegeben und hohe Zahlungen von Mandanten kassiert, ohne Gegenleistung und ohne Rechnung – es besteht dringender Betrugsverdacht!
Im vergangenen Sommer soll die Tschetschenin sogar einen filmreifen Überfall auf die Kanzlei einfach erfunden haben. "Ich wurde gezwungen, den Tresor zu öffnen und das gesamte Geld zu übergeben", gab sie tränenreich vor Beamten an. Zwei Männer (ehemalige Klienten) gingen deswegen sogar kurzzeitig in den Häf’n, bis das mutmaßliche Lügenkonstrukt der Frau aufflog. Am 16. Jänner klickten für die Tschetschenin die Handschellen.
Sie soll sogar den Tod eines Menschen auf dem Gewissen haben. Wie "Heute" herausfand, wird ihr angelastet, im dicken BMW X8 ihres Mannes betrunken einen tödlichen Autounfall in Niederösterreich verursacht zu haben. Auch hier sei zuerst ein Bekannter beschuldigt worden.
Schließlich kam es zum Prozess gegen die Frau wegen fahrlässiger Tötung. Im vergangenen April wurde sie nicht rechtskräftig zu 14 Monaten teilbedingter Haft verurteilt, legte aber volle Berufung ein. Am 25. März wird sie in dieser Causa am Oberlandesgericht Wien stehen, wohl in Handschellen vorgeführt. Die Unschuldsvermutung gilt.